Kategorie: Philosophie

Meine geistige Nahrung

Wir leben in einer deskriptiven Welt

Als ich Kind war, war ich davon überzeugt, dass unsere Welt von uns Menschen bereits vollständig verstanden sei. Wie jeder weiß, ist dem nicht so. Das ist eine extrem ernüchternde Situation, wenn man eines Tages auf diese Erkenntnis stößt.
Nun, was gehört dazu, um die Gegenwart, in der wir leben, vollständig zu beschreiben? Dabei meine ich nicht etwa den Hawkingschen Ansatz, also buttom->up, sondern eigentlich eher genau umgekehrt. Mit dem materialistischen buttom->up-Ansatz, der im Grunde rein an der Materie ansetzt und davon ausgeht, dass man sämtliche Ereignisse kumulativ hochrechnen können kann, gehe ich davon aus, dass man allein mit der Beschreibung der materiellen Welt zwar weit kommt, jedoch nur bis zu einem bestimmten Punkt, nämlich bis zur Konfiguration der Materie, der Form, wenn überhaupt.
Beispiel. Eine extra-terrestrische Zivilisation, die sich einzig auf den materiellen Ansatz versteht, gelangt zur Erde und untersucht die Lebensformen, unter anderem den Menschen. Sie analysiert und versteht unser Gehirn. Würde sie allein dadurch darauf schließen können, dass es in unserer Welt Laptops gibt? Oder Atombomben oder Kultur oder politische Systeme oder oder oder? Nein! Sie würde bestenfalls herausfinden, dass unser Gehirn das Potential hätte (Konjunktive beachten), dass wir rational denken könnten, dass wir Wissenschaft betreiben könnten, dass wir deshalb auch Atombomben bauen könnten. Sie würden aber nicht wissen, DASS es das alles in unserer Welt oder Realität gibt, DASS wir das auch umgesetzt haben!
Also, was müssten sie tun, um sich von unserer Welt bzw. unserer Gegenwart oder Realität ein eindeutiges Bild zu verschaffen, um zu verstehen (‚vollständig zu beschreiben‘) wie und weshalb unserer Realität so ist wie sie ist? Sie müssten herausfinden, was wann und weshalb geschehen ist, weshalb es in unserer Welt z.B. Atombomben gibt. Was wäre passiert, wenn Truman morgens eine Pampelmuse zum Frühstück gegessen hätte, seine Enkeltöchter gesehen und nachgedacht hätte, Mitgefühl mitgenommen hätte und deshalb sich dazu entschieden hätte, keine Atombombe auf Japan zu werfen? Hätte es dann einen kalten Krieg gegeben? Wenn ja, in gleicher Weise?
Auf diese Art kann man ungezählte Beispiele und Faktoren nennen, die womöglich zu einer völlig anderen Realität geführt hätten, als die, in der wir leben. Was schlussfolgern wir daraus? Um die Realität zu verstehen, in der wir in diesem Moment leben, reicht es nicht aus, bloß die Materie zu betrachten und zu studieren und/oder bestenfalls zu verstehen. Denn von der reinen Form her, hätte es sich dennoch völlig anders entwickeln können. Die Form, z.B. unser Gehirn oder Körper, bietet lediglich das Potential(!), was möglich wäre. Alles andere ist inhaltlicher Natur, wie die Zeilen bzw. Informationen in einem Buch. Man muss die inhaltlichen Aspekte und Zusammenhänge, also, das was inhaltlich in einem Buch geschrieben steht, kennen und zwar von der Bedeutung und Kontext her. Und dies ist immateriell! Es reichen nicht die Buchstaben und Ziffern. Das bedeutet, und so stelle ich mir das vor, dass die rein materiellen Aspekte von der Bedeutung her, im Gegensatz zum Inhalt, der Information, fast zu vernachlässigen sind, wollte man unsere Realität in Gänze beschreiben und verstehen.

Das besondere ist, dass der freie Wille dem Ganzen noch eine extrem mächtige Variable hinzufügt.
Es führt dann zu einer Art Viele-Welten-Theorie. Und vielleicht gibt es eine Welt, in der ich ebenfalls existiere, aber die das beschreibt, was geschehen wäre, hätte ich mich in der Schule weniger oder mehr angestrengt. Oder was geschehen wäre, hätte ich mir mit 5 Jahren nicht das Bein gebrochen. Eine Welt, in der die schwangere Mutter von Alexander den Großen sich an dem Abend, als es gerade zur Entwicklung gewisser neuronaler Strukturen kam, sich mit Wein einen gekippt hätte und Alexander dadurch gehandikapt zur Welt gekommen wäre.
Wie sähe die Welt heute aus, wenn es Alexander den Großen nie gegeben hätte? Das alles steht nicht in der Materie oder unseren Genen, es ist in der Geschichte durch Myriaden quasi unvorhersehbarer Variablen und Faktoren und den Entscheidungen der Beteiligten entstanden und somit in das Informationsfeld unserer Geschichte geschrieben worden. Wir könnten selbst unsere eigene aktuelle Realität nicht verstehen, wenn wir nicht irgendwann mit der Geschichtsschreibung (Information) und später der Aufzeichnung unserer Gedanken, Theorie, Hypothesen und Erkenntnisse begonnen hätten!

Dies alles nenne ich ‚deskriptive Welt‘. Also, eine Welt, in der es eigentlich um die Inhalte geht, die Informationen. Diese sind letztlich immateriell. Jetzt mag der ein oder andere sagen, dass es in der materiellen Welt sehr wohl Informationen gibt, die sich auch materiell abbilden, z.B. in Form von genetischen Informationen. Dies ist so, doch dort stehen keine Informationen über, um beim o.g. Beispiel zu bleiben, Alexander den Großen. Genetische Informationen sind wie etwa Baupläne zu verstehen. Sie beziehen sich bestenfalls auf die Konstruktion und vielleicht auch noch auf die rudimentäre ‚Funktion der Materie‘. Es wie beim o.g. Buch. Genetische Informationen stellen die blanken Seiten dar, den Buchrücken, die Verklebung, das Gebinde usw.. Dabei möchte ich ihre Bedeutung nicht schmälern. Das Materielle und das Immaterielle greifen womöglich sogar ineinander. So wäre das Materielle ohne das Immaterielle nicht möglich oder denkbar und umgekehrt. Sie sind beides Faktoren, die zu der Welt führen, zu der sie geführt haben. Dies ist selbstverständlich ein Aspekt, der zur vollständigen Beschreibung dieser Welt zwingend notwendig ist, denn beides tritt auf, deshalb gehört es zusammen.

Wir leben demnach und also in einer ‚beschreibenden Welt‘. Ohne diese Inhalte ist diese Welt nichts oder nicht existent. Umgekehrt wäre diese Welt, wie wir sie kennen, ohne die Form, den Buchrücken ebenfalls auch nicht die, die sie ist.

Einige Feststellungen über die groteske Ambivalenz der Existenz in der westlichen Welt.

Was ist das Leben und was macht es aus?
Bereits beim Versuch, auf diese einfache Fragestellung eine Antwort zu finden, stößt man augenscheinlich an gewisse Grenzen. Es ist der ewige Zwiespalt zwischen Außen und Innen, zwischen Subjekt und Objekt. Und doch kommen beide überein und bilden, quasi wie auf einer Bühne oder einem Spielplatz, die Welt, in der wir uns bewegen. Ganz natürlich und von ganz allein.
Der Erforschung der Objekte hat sich die Wissenschaft verschrieben. Sie verlangt eine objektiv erfassbare und beschreibbare Welt. Modelle und Funktionen, nach denen unsere Welt im wahrsten Sinne überall und nach dem gleichen Muster ‚funktioniert‘. Heraus kommen Theorien, die quasi nie fertig, sondern nur so lange gültig sind, bis sie falsifiziert werden.
Doch die Wissenschaft ist für das Verlangen und das Bedürfnis des Subjektes insofern zweck- oder nutzlos, da sie einzig Antworten finden kann, die die Oberfläche, also die Objekte, betreffen. Sie entzieht sich einem moralisch- ethischen Anspruch, formuliert dies erst gar nicht und/oder läuft diesem sogar konträr. Rückschlüsse aus den Erkenntnissen der Wissenschaft sind, auf den Menschen oder auf uns Lebewesen bezogen, meist lebensfern, lebensfeindlich und/oder nicht umsetzbar. Angesichts der Grundlage der Erkenntnisse, eben die der Beschreibung der Objekte, wundert dies geradezu nicht.
Der Mensch und die vielen anderen Lebensformen auf diesem Planeten, sind und verstehen sich eben nicht als Objekte.
Im Gegensatz zur unbelebten Materie, haben sie eine subjektive Empfindung, ein subjektives Selbstverständnis, oder auch zumindest ein selbst reflektiertes Sein. Sie sind die Vertreter des Lebens, welches sich bewegt, berührt, fühlt, lernt, sich austauscht und (inter)agiert innerhalb dieser Welt.
So mag man denken, dass wenn die Wissenschaft schon keine Antwort bieten kann, die uns Menschen genügt und uns, d.h. unser Innerstes, ausreichend befriedigen kann, so dass unser Geist im tiefsten Sinne genährt ist. Wer oder was vermag es dann?
Doch auch wer einen Blick in die makroskopische Welt der Menschen wirft, um vielleicht dort eine Systematik oder einen Kern dessen zu erkennen, was uns ausmacht und was das Wesen des subjektiven Lebens als solches sein könnte, wird sehr bald feststellen, dass sich alles derart verhält, als ob unsere Welt eine Welt der Zusammenkunft von zahllosen Individuen, losgelöst voneinander, sei. Eine kollektive Struktur oder ein ‚Kitt‘, der Zusammenhalt und ein Verständnis als Spezies mag sich nicht oder kaum erkennen lassen.
Ganz besonders deutlich wird dies, wenn wir die politischen und wirtschaftlichen Strukturen sowie leitende Personen betrachten. In der westlichen Welt mit demokratischen Strukturen scheint Politik und Wirtschaft kaum dividierbar zu sein. Das Bestreben und die Motivation richtet sich anscheinend einerseits danach, Mangel zu begleichen. Dabei mangelt es daran, was im Fokus derer liegt, die einen Mangel empfinden. Der bewußt und offensichtlich wahrgenommene Mangel besteht in der Regel aus materiellen Objekten, sehr selten wird ein geistiger Mangel als solcher wahrgenommen. Andererseits richtet es sich danach, die zum gegebenen Zeitpunkt leitenden Personen mit Einfluss und Privilegien in den jeweiligen Positionen zu halten und zu diesem Zweck Unruhe und Unzufriedenheit zu vermeiden.
Zum Zweck der Begleichung des empfundenen Mangels an materiellen Gütern, ist, im Laufe der Jahrzehnte nach dem letzten Weltkrieg, eine wirtschaftliche Omnipräsenz entstanden, die sich anschickt, nicht nur Objekte in ungeahntem Umfang und Ausmaße herzustellen, sondern zunehmend das geistige Selbstverständnis und das Werteempfinden der Menschen zu unterwandern und in subtiler Form zu substituieren.
Eine typische Redewendung hierzu ist: ‚Ich arbeite, um zu leben und lebe nicht, um zu arbeiten.‘ Diese Aussage scheint sich zunehmend bei vielen Menschen, die die westliche Lebensform inkorporiert und akzeptiert haben, in fataler Weise umzukehren.
Auf diese Weise ist, spätestens in der Zeit nach dem letzten Weltkrieg, eine wirtschaftliche Allmacht entstanden, die als monströs zu bezeichnen ist und die sich nicht mehr kontrollieren läßt, da zudem die politischen Mittel als unabhängiger Faktor und mögliche Kontrollinstanz, erschöpft sind. Dies auch deshalb, weil die Mitglieder des politischen Apparates selbst als Teil des wirtschaftlichen Geschehens zu verstehen sind. Auf diese Weise hat sich ein erschreckender Apparat entwickelt, der sich selbst erhaltend die Grundlage für sich selbst erzeugt und darbietet.
Die Naturwissenschaft, die sich, wie oben erwähnt, auf die Erforschung der Objekte und der objektiv zu erfassenden Erscheinungen zunehmend spezialisiert hat und deren Mitglieder ebenfalls dem sich selbst erhaltenen System untergeordnet und eingegliedert sind, kommt da als Beschaffer für immer neue Dinge, die das Verlangen nach einem immer neu propagierten und definierten Mangel immer wieder neu nährt und hervorruft, in idealer Weise in Frage und gerade recht. Der geistige Anspruch dieser Ausrichtung verkommt somit zu einem reinen Erfüllungsgehilfen, der sich durch seine fest in das System eingegliederten Vertreter und Fürsprecher selbst erhält. Ihre Erkenntnisse der Erforschung der objektiven Welt beantworten und unterstützen geradezu in fataler Weise die gewünschte Auslegung und Gesinnung. Es entstanden Dogmen der Weltsicht. Somit erstaunt es nicht, dass es kaum Kontrollmechanismen für Dinge gibt, die neu erforscht und entwickelt werden und die somit letztlich in die Umwelt entlassen werden. Es wird gemacht, was gemacht werden kann und auch weil man es kann. Eine weitere Hinterfragung wird derart im Keim erstickt, da ansonsten angenommen werden muss, dass das System als solches in Frage gestellt wird. Dies ist im Zuge der sich immer schneller entwickelnden und festigenden Weltsicht in immer größerem Maße unerwünscht. Das System erhält, nährt und fördert sich dadurch nicht nur in materieller Weise selbst, sondern auch immateriell, d.h. geistig. Letztgenanntes ist in besonderer Weise fatal.
Derweil haben sich diese Mechanismen derart verselbständigt, dass der Fortbestand der Spezies als solches zukünftig in Frage gestellt wird.
Es werden immer mehr Dinge, Substanzen und Verbindungen in die Umwelt entlassen, die dort in dieser Form nicht bekannt waren und somit für den sich selbst regulierenden und erhaltenden, biologischen Zyklus vom Kommen, Gehen und der Entwicklung der biologischen Organismen ungeeignet sind. Das, was nicht verbrannt wird, wird in die Welt gekippt. Ohnmächtig ob dieser Entwicklung bleibt dem geistig auf extreme Weise aktiven menschlichen Geschlecht anscheinend nur das Messen und Zusehen des eigenen Untergangs. Viel zu lange haben die ehemals wichtigsten, verbliebenen Gruppen mit möglichem Einfluss versagt. Wenn schon die Naturwissenschaft zu einem geistigen Mündel der Wirtschaft verkommen ist, so hätten zumindest die politischen und die geisteswissenschaftlichen Eliten dieser Entwicklung entgegen wirken müssen.
Die Menschheit, oder besser der menschliche Geist, durch den diese Entwicklung angetrieben worden ist, hat dieser Entwicklung anscheinend zu lange tatenlos zugesehen.
Ich könnte an dieser Stelle noch einige Stunden weiter schreiben. Ich habe zahlreiche Teilaspekte nur angerissen, worüber ich wiederum etliche Anhandlungen verfassen könnte, die in sich vielleicht nicht vollständig sind oder sein können, denn auch meine Auffassungsgabe vor diesem überaus komplexen Hintergrund ist als Einzelindividuum sicherlich begrenzt. Doch nehme ich mir einen gewissen Wahrheitsgehalt bei meinen Ausführungen heraus.
Kehren wir zurück zur anfangs gestellten und mutmaßlich schlicht anmutenden Fragestellung: Was ist das Leben und was macht es aus?
Ich habe herausgestellt und herausgearbeitet, dass das menschliche Leben mehr ist, als Materie und Objekte, die für sich ohne Bedeutung sind. Eine Bedeutung kommt geradezu erst durch das Wirken des menschlichen Geistes zustande. Schaue ich in unseren Hof, sehe ich ein Auto. Das Auto als solches ist nicht etwa durch evolutionäre Prozesse entstanden, was meint, dass die Biologie Anpassungen an sich ändernde biotische und abiotische Bedingungen an biologischen Organismen durch Zufall (Mutation) und Selektionsdruck vornimmt. Dieses Auto ist dafür nicht notwendig. Das Auto kann sich nicht selbst entwickeln, denn es wurde entwickelt. Und selbst wenn es sich selbst entwickeln könnte, wäre der einzige Sinngehalt, es nach geistigen Vorstellungen zu tun, die denen des Erschaffers entsprechen. Nach unserem Verlangen, unseren Bedürfnissen und unserem Verständnis. Somit ist selbst die heute extrem stark angepriesene ’neue Entwicklung‘, das autonome Fahren und die künstliche Intelligenz, letztlich ein Kind unseres Geistes, welches sich das ‚ausgedacht hat‘. Solange das Auto als solches kein echtes eigenständiges Bewußtsein besitzt, wird es nur ein Bauteil sein, ein Ding, das sich bestenfalls nach uns orientiert, da dessen Bedürfnisse auf Maßstab unserer Gedanken und Bedürfnisse beruhen.
Auch wenn es keine echte, allgemein gültige Antwort auf die einfach anmutende Frage nach dem Leben gibt, so habe ich ebenso herausgestellt, dass die Motivation hinter dem, was wir Menschen verstehen und was uns und unser System antreibt, geistiger Natur ist. Der erwähnte, von uns empfundene Mangel, der sich uns als Mangel an Dingen darstellt, ist im Keim jedoch in fundamentaler Weise im eigentlichen Sinne ein geistiger Mangel. Wir unterliegen somit dem gleichen Irrtum, wie bereits die alten Ägypter, die Macht, Wohlstand und Reichtum einer kleinen Elite zukommen ließen, welche der Verführung verfiel, dass diese Privilegien einerseits nach dem Ableben des Körpers beibehalten würden, andererseits, dass diese Macht, der Reichtum und der Wohlstand dem Ableben des eigenen Körpers etwas entgegen setzen könnte oder dies gar aufhalten könnte.

Dieser Gedanke, Wunsch oder Traum scheint die Menschheit seit der frühen Phase der Existenz der Spezies umzutreiben. Ist es gar ein Bug im Geiste?
Wäre es nicht ob der monströsen und beängstigenden Entwicklung rund um das Tun und Handeln, dem ‚Rumoperieren‘ an den Objekten dieser Welt, sehr viel sinnvoller, den menschlichen Geist als den ‚Verursacher‘ der gesamten menschlichen Entwicklung zu erforschen und auf den Grund zu gehen? Wie genau entsteht er und was treibt ihn an?
Wie genau entsteht aus elektrischen Signalen, Aktionspotentialen, Sauerstoffzehrung, der Komplexität des neuronalen Korrelates das menschliche Bewußtsein und wie steht es im Verhältnis und Zusammenhang mit den Gegebenheiten, der Physik, des Raumes an sich?