Kategorie: Gedichte

Wortgeschöpfe aus eigener Hand

Das Los des Armseeligen birgt als Hauptgewinn die Verdammnis

Sie fühlen nicht das Leben,
werden geführt durch die kalte Hand der nackten Existenz,
womit sie handeln und zu überzeugen wissen,
ist das absolute Regime der Angst,
mit Feuer und Flamme für die Idee der Macht
töten sie nicht nur wahrhaftig und zu jeder Zeit,
sondern auch im Geiste den Keim des Menschen
durch das Schwert der Einfältigen und Dummen.

Ihre Argumente tragen schwer,
und so wissen wir, was zu tun ist,
sobald das Gefühl vernichtet ist
und gegen das bessere Wissen,
vertrauen wir auf die Urmacht der Gewalt,
die stets Rechtfertigung erhält durch die Einfachheit
des Profits und der Zahlen,
die auf einem Berg aus Leichen aufgehäuft triumphieren
und auf dem Scheiterhaufen der Zeit
unser Gewissen beruhigen, damit uns nicht die Furcht ergreift,
dass wir den falschen Weg gewählt und am Ende
der Tage des Daseins das falsche gemacht und entschieden haben,
alles für einen Lohn, den es nicht gibt,
wenn erst die Zeit aufgebraucht ist
und ein jeder spürt,
dass alles eine Illusion war,
ein Konstrukt für die wenigen, die profitieren
von der Energie des Lebens der übrigen,
den Gutgläubigen, Aufrichtigen und Ehrlichen,
deren Licht so rasch aufgezehrt ist,
dass wir scheitern werden.

(2015 – Über das, was die Gier, die Macht und der Kapitalismus aus uns Menschen macht)

Norddeutsches Land

Abgesteckte Erde unter endlosem Horizont,
durchzogen von Gräben und somit aufgeteilt in Parzellen,
die jemandem gehören.
Hier und da ein wenig Bäume,
zusammengekauert in übersehbare Ecken.
Kontrolliertes Terrain,
für Nichtbesitzer unzugänglich.
Der Zählmeister dieser Einöde
besitzt in bestimmten Abständen Hochstände.
Von hier aus wird das Leben reguliert.
Gemeint ist die Populationsrate.
In diesem Bild fallen gar die nicht wenigen Büsche auf,
die inmitten der,
für die Viehwirtschaft angelegten,
Graslandschaften residieren,
und von urtümlichen Zuständen zu erzählen scheinen,
derart wahllos verstreut sind sie.
Die Nutztiere grasen versonnen in der Sonne,
die ihnen scheinbar zulächelt.
Schwarze und weiße Flecken.
Irgendwo dahinter ist ein Deich,
der die Wassermassen der belasteten Nordsee fern halten soll.
Er ist fein säuberlich gestaltet und ebenfalls mit Gras verziert.
Eine Meisterleistung menschlicher Ingenieurskunst.
Hier fahre ich des öfteren mit dem Rad entlang,
schaue auf die betonierte Küstenlandschaft.
Möwen laufen umher,
sehen künstlich aus.
Diese eingezäunte Natur beruhigt uns.
Wenn ich zu weit hinaus fahre,
bekomme ich Angst,
falls etwas geschehe.
Für Schwarzdenker wie mich hat man schon längst Definitionen gefunden.

(1998 – Beobachtungen und Gedanken zur Monokultur des norddeutschen Landes)

Für meine liebe Frau und die Welt, die sodann wäre

Hier weile ich,
an diesem satten Tag,
den Traum der Sehnsucht
spürt ich drinnen
und warte heimlich dann,
bedacht und treu,
auf dass der Grund des Traumes naht.

Gerad denk ich noch
an viele frische Tage,
an deinen warmen Geist,
der meiner Wonne Heimat bot.
Wem sonst als dir
und unserer holden Anmut gleichen Liebe
gehört denn meine Seele,
wenn ich einst im Feld geschlagen bin,
oder mein Herz vom weiten Wege meines Lebens lahmt,
wenn ich einen Wimpernschlag zuvor
ein letztes Mal die Hand erheb.

(1989 – Warme Worte an den Geist der Vergangenheit reichen weit in die Zukunft)

Rheinland kreuzt die Oder, oder wie das rote Sonnenlicht

Wie das rote Sonnenlicht Farben fälscht,
eines Winters Nacht.
Dampfender Atem der eilenden Personen,
die geschwind Präsente tragen,
heim,
in die gute, warme Stube.
Winternacht,
und die bellenden Laute und Töne der kalten Welt
sind der armen Menschen Leid.
Heilig Nacht kommt mit der tosenden Bahn,
abwechselnd,
wie ein Abschlag der raunend vorbeiziehenden Tage.

(1997 – Beobachtungen zur Weihnachtszeit)