Kategorie: Gedichte

Wortgeschöpfe aus eigener Hand

Am Ende des Tages ist die Wüste kalt und doch der Anfang

Doch im Leben war die Suche im Grunde erfolglos,
denn wo ich hinsah, gelangte ich an die Oberfläche,
einer Wüstendüne gleich,
die nach dem Wind die Richtung wechselt,
und keinen tiefen Grund offenbart,
oder die Wurzel für Freud und Leid.

Und wer, mit einem Spaten gleich, die Kruste bricht,
um unter der Oberfläche des Lebens einen Blick zu erhaschen,
nur für einen Hauch der Erkenntnis
oder ein liebliches Streicheln der Liebe,
die uns einst fortgeführt und geküsst hat,
bevor wir wussten, dass es uns gibt,
wird sogleich aufgetrieben,
wie mit dem Wirbel eines Wasserspiels,
an dessen Grund ein Schaufelrad dreht.

Und die meisten, die ich fragte, verstanden mich nicht,
oder waren mit den Dingen beschäftigt,
die das Wasser aufgetrieben hatte
und die nicht das Leben waren,
so, wie wir,
sondern einem Taschenspielertrick gleich,
oder wie der verheißende Glanz eines Goldstücks,
welches zwar aus der Tiefe der Erde kommt,
aber sobald verblasst, wenn nur eine Frage gestellt
oder ein Gedanke danach angebracht ist,
wessen Hand das Rädchen dreht.

Und wer am Ende eine Weile durch diese Wüste der Oberflächlichkeit geschritten ist,
nicht wissend, ob die Schritte es sind, die uns fortbewegen,
oder das Wechselspiel der Dünen im Sand,
die mit etwas Glück den Blick frei machen
auf das Licht, das am Ende des Weges glimmt,
wie der erste Sonnenstrahl, der das Auge trifft,
wenn alles vergebens, vergessen und verloren scheint,
der hat sich selbst gefunden.

Und wer einen Blick erhascht,
auf das Licht, das am Ende Liebe und Einheit verspricht,
wird erkennen, dass dieser Weg weder endet,
noch einfach ist, sondern die Trennung ist,
obgleich in diesem Moment ein jeder eins ist,
mit allem, was ist.

(2020 – Über das Leben)

Am Strand

… lockt uns der Mondschein
bei tiefschwarzer Nacht,
hinaus an den Strand;
lockt uns das Gewimmer
der brechenden Wellen,
hinaus in das Getümmel
der wütenden Wogen.
Halt mich fest,
du wunderbarer Engel;
halt mich fest,
und knüpf mich an dich,
du schneeweißes Mondkind mein!
Und folgt uns ein Troß der Sternenschar;
bringt uns Heimat,
uns abtrünnigen Kindern,
so lobt uns der Herr,
und streut etwas Licht
in unsere Herzen.
Und folgt uns der Mond,
mit silbrig glänzendem Licht,
alsbald wie eine Spange
in deinem wehenden Haar,
so sei der Atem der Nacht
der Geist der uns umgebenden Pracht.
Nun waten wir im Strandsand voran,
mit der Hast der schwelgenden Zeit,
und dem Ziel, das niemals gesteckt;
wird von uns der frohlockende Ruf
der gleißenden Nacht geweckt.

(1994 – Im Gedanken eine Art Fantasie, im Herzen zeitlose Realität)

Ein Schmelz in der Mittagssonne

Die Gestalt der Gegenwart verblasst
vor einem Tor der Merkwürdigkeiten,
die Schraffur im Gesicht verrät die Zeit
in der Zauberwelt des Schöpfers,
in der einst ein Schein offenkundig
das Vermächtnis des Lebens schenkte,
so dass es für all jene sichtbar wurde,
die ein Teil des Ganzen waren.

Auf diese Weise entsteht Vollkommenheit,
denn ein Gemälde auf dem Fenstersims
erschließt sich nicht durch den Pinselstrich des Meisters,
vielmehr birgt ein Blick aus der Ferne die Erkenntnis der Weite
und das ist, was geschieht und was bleibt,
ist nicht bloße Erinnerung,
wie der Blick durch ein verschmutztes Fenster,
oder das ausgedünnte Haar im Spiegel,
bevor die Festung des Körpers erlischt,
die bloß Form war, aus Erde und Lehm gemacht,
um im nächsten Moment aufzugehen,
losgelöst vom Rahmen der Begrenzung
in die Ewigkeit entlassen,
wie ein Schmelz in der Mittagssonne.

(2018 – Das, was geschieht, wenn das Leben aus dem Körper geht)

Wilhelm und das Zepter der Hoffnung

Ihre Stimmen und ihre Blicke sagen,
dass Geld und Leistung wichtig sind
und das Sprachrohr der Massen signalisiert
den Fortbestand der Belanglosigkeit im TV,
die Technik nutzen wir als letzte Zuflucht,
vor der Kälte der Alten.

Dort, wo das Auto steht,
stand einst Vater wie ein Fels,
mit erhobenen Haupt, Würde und Stolz
und schenkte uns das Licht im Herzen
auf das wir uns verlassen haben.

Doch, was wir bekamen,
waren die Floskeln der Verzweiflung
und der Trübsinn einer sterbenden Welt,
der Glanz der seelenlosen Hüllen,
oder die vielen Begriffe der Oberflächlichkeit,
die unsere Seele lähmt und gefangen hält,
in der Kammer der Einsamkeit.

Während ihr uns vergessen habt,
und einst euer letztes Geschäft mit Blut und Tadel besiegelt ist,
werden wir aufstehen für das, was wichtig ist,
die Momente im Leben erkennen, die uns verbinden,
die Liebe spüren in unserem Herzen,
und uns erinnern an jenen Augenblick,
der uns verband
und die Einheit der Generationen ersetzt das müde Spiel der Grausamkeit
in Ewigkeit.

Und während ihr diese Welt vernichtet habt,
mit all dem Müll und Unrat eurer unsäglichen Ignoranz,
sähen wir das Leben mit einem Keim der Hoffnung,
nackt wie das erste Wort, das je geschrieben ward
und rein wie das Haus der Seelen im Garten der Existenz.

(2018 – Die Ohnmacht und Hoffnungslosigkeit der Jungen beruht auf der Ignoranz und dem Unvermögen der Alten)

Das Los des Armseligen birgt als Hauptgewinn die Verdammnis

Sie fühlen nicht das Leben,
werden geführt durch die kalte Hand der nackten Existenz,
womit sie handeln und zu überzeugen wissen,
ist das absolute Regime der Angst,
mit Feuer und Flamme für die Idee der Macht
töten sie nicht nur wahrhaftig und zu jeder Zeit,
sondern auch im Geiste den Keim des Menschen
durch das Schwert der Einfältigen und Dummen.

Ihre Argumente tragen schwer,
und so wissen wir, was zu tun ist,
sobald das Gefühl vernichtet ist
und gegen das bessere Wissen,
vertrauen wir auf die Urmacht der Gewalt,
die stets Rechtfertigung erhält durch die Einfachheit
des Profits und der Zahlen,
die auf einem Berg aus Leichen aufgehäuft triumphieren
und auf dem Scheiterhaufen der Zeit
unser Gewissen beruhigen, damit uns nicht die Furcht ergreift,
dass wir den falschen Weg gewählt und am Ende
der Tage des Daseins das falsche gemacht und entschieden haben,
alles für einen Lohn, den es nicht gibt,
wenn erst die Zeit aufgebraucht ist
und ein jeder spürt,
dass alles eine Illusion war,
ein Konstrukt für die wenigen, die profitieren
von der Energie des Lebens der übrigen,
den Gutgläubigen, Aufrichtigen und Ehrlichen,
deren Licht so rasch aufgezehrt ist,
dass wir scheitern werden.

(2015 – Über das, was die Gier, die Macht und der Kapitalismus aus uns Menschen macht)

Norddeutsches Land

Abgesteckte Erde unter endlosem Horizont,
durchzogen von Gräben und somit aufgeteilt in Parzellen,
die jemandem gehören.
Hier und da ein wenig Bäume,
zusammengekauert in übersehbare Ecken.
Kontrolliertes Terrain,
für Nichtbesitzer unzugänglich.
Der Zählmeister dieser Einöde
besitzt in bestimmten Abständen Hochstände.
Von hier aus wird das Leben reguliert.
Gemeint ist die Populationsrate.
In diesem Bild fallen gar die nicht wenigen Büsche auf,
die inmitten der,
für die Viehwirtschaft angelegten,
Graslandschaften residieren,
und von urtümlichen Zuständen zu erzählen scheinen,
derart wahllos verstreut sind sie.
Die Nutztiere grasen versonnen in der Sonne,
die ihnen scheinbar zulächelt.
Schwarze und weiße Flecken.
Irgendwo dahinter ist ein Deich,
der die Wassermassen der belasteten Nordsee fern halten soll.
Er ist fein säuberlich gestaltet und ebenfalls mit Gras verziert.
Eine Meisterleistung menschlicher Ingenieurskunst.
Hier fahre ich des öfteren mit dem Rad entlang,
schaue auf die betonierte Küstenlandschaft.
Möwen laufen umher,
sehen künstlich aus.
Diese eingezäunte Natur beruhigt uns.
Wenn ich zu weit hinaus fahre,
bekomme ich Angst,
falls etwas geschehe.
Für Schwarzdenker wie mich hat man schon längst Definitionen gefunden.

(1998 – Beobachtungen und Gedanken zur Monokultur des norddeutschen Landes)

Für meine liebe Frau und die Welt, die sodann wäre

Hier weile ich,
an diesem satten Tag,
den Traum der Sehnsucht
spürt ich drinnen
und warte heimlich dann,
bedacht und treu,
auf dass der Grund des Traumes naht.

Gerad denk ich noch
an viele frische Tage,
an deinen warmen Geist,
der meiner Wonne Heimat bot.
Wem sonst als dir
und unserer holden Anmut gleichen Liebe
gehört denn meine Seele,
wenn ich einst im Feld geschlagen bin,
oder mein Herz vom weiten Wege meines Lebens lahmt,
wenn ich einen Wimpernschlag zuvor
ein letztes Mal die Hand erheb.

(1989 – Warme Worte an den Geist der Vergangenheit reichen weit in die Zukunft)