Mein Haus, mein Auto, mein TV, mein Handy. Aber die Umwelt will keiner haben.

Keine Frage, um die Qualität des eigenen Bewußtseins zu verbessern, bedarf es oftmals nur kleiner, banaler Maßnahmen.
So reicht ein Wort aus, um sich selbst hinsichtlich des Schutzes der Umwelt zu sensibilisieren.
Denn üblicherweise sagt man: Die Umwelt.
Aber wieso sagt und vorallem denkt man nicht: Meine Umwelt? Oder Deine Umwelt? Oder unsere Umwelt?
Die Umwelt scheint ein Ding zu sein, das fern von uns selbst irgendwas abstraktes zu sein scheint.
Und dass uns deshalb anscheinend nicht weiter tangiert. Irgendwie ‚ein Ding‘.
Doch Umwelt ist beispielsweise und ganz konkret die Luft, die wir zum Atmen brauchen.
Oder das Wasser, das wir trinken müssen, um zu überleben.
Eine intakte Umwelt ist die Grundlage, die unsere und meine Existenz sicherstellt.
Wenn ich also in dem Bewußtsein durch die Welt gehe, dass es nicht Die Umwelt ist, sondern Unsere Umwelt, die Umwelt meines Nächsten und auch Meine Umwelt, dann beginnt ein Prozess in uns selbst, der dazu führt, dass man eher reagiert, wenn jemand unsere Umwelt verpestet oder mit Füßen tritt.

Seitdem ich so denke und es mir stets bewußt mache, finde ich z.B. das Verhalten, dass Leute das Auto laufen lassen, während sie bequem zum Bankautomaten gehen, eine Zumutung.
Denn sie verpesten damit unsere und meine Umwelt. Die Umwelt gehört nicht allein denjenigen, die sie verpesten. Sie gehört allen und jedem ein Stück weit. Damit ist das laufen lassen des Motors ein echter Angriff auf unser und speziell mein Wohlergehen.
Dieser gedankenlose Banause verpestet also nicht irgendwas, was mich nichts angeht. Er verpestet unsere und meine Welt.
Das muss man sich bewußt machen!
Wenn er schon so blöde ist, und sich keine Gedanken um sein eigenes oder das Wohlergehen seiner Nachkommen macht, was bereits nicht zu tolerieren ist, dann muss er sich dafür verantworten, die Umwelt seiner Mitmenschen zu verpesten!
Er verpestet nicht irgendwas abstraktes. Es ist ganz konkret meine und unser aller Luft, die verpestet wird!

  6 comments for “Mein Haus, mein Auto, mein TV, mein Handy. Aber die Umwelt will keiner haben.

  1. Philzer
    19. März 2021 at 17:59

    Der Philosoph Franz Josef Hinkelammert beschrieb dies so:

    7. Das Unverzichtbare ist nutzlos. Über die Ethik des Zusammenlebens

    Wenn es heute notwendig ist, dass wir über die Fähigkeit des Menschensprechen, das Zusammenleben zu sichern, dann geschieht dies gerade deswegen, weil wir in einer Zeit der ständigen Verschlechterung dieses Zusammenlebens leben.
    Wir mögen uns darüber beklagen oder auch Indifferenz an den Tag legen –es ändert nichts daran, dass wir diese Tatsache reflektieren müssen…

    a.) Die herrschenden Werte einer Gesellschaft, die sich der Strategie der Globalisierung verschreibt

    …Diese Werte, die in unserer Gesellschaft verwirklicht werden, sind insbesondere die folgenden:
    die Werte des Wettbewerbs, der Effizienz, der Rationalisierung und Funktionalisierung der institutionellen Prozesse und Techniken sowie ganz allgemein die Werte der Marktethik.
    Wir können sie zusammenfassen im zentralen Wert des individuellen Nutzenkalküls.
    Darunter ist zu verstehen das Kalkül von Individuen oder von Kollektiven, die sich wie Individuen verhalten und kalkulieren – gehe es nun um Staaten, zwischenstaatliche Zusammenschlüsse oder andere Institutionen, Unternehmen und Organisationen eingeschlossen.Entsprechend der Wirkung ihres individuellen Kalküls der Interessen und des Nutzens handelt es sich um kollektive Individuen …

    … Es fällt sofort auf, dass alle diese geltenden Werte formale Werte sind und sich niemals auf den Inhalt des menschlichen Handelns beziehen.Es sind Werte, die ganz allgemein als Rationalität des Handelns bestimmt, jedoch häufig auf die wirtschaftliche Rationalität reduziert werden. Sie werden begründet und entwickelt im Rahmen einer entsprechenden formalen Ethik, die sehr explizit durch Kants Ansatz und dessen kategorischen Imperativ zum Ausdruck gebracht wird.Als Marktethik ist diese Ethik am unmittelbarsten gegenwärtig in unseren Gesetzbüchern, die in der Tradition des römischen Rechtes ausgestaltet wurden …

    … Eine Krise dieser Werte findet nicht statt. In ihrem Formalismus haben sie eine absolute Gültigkeit, und bis zu einem bestimmten Grad werden sie auch effektiv durchgesetzt. In ihrem Formalismus erklären sie,dass alles, was nicht verboten ist, erlaubt sei …

    … Es gibt nur ein Hindernis: die Notwendigkeit, die Unverzichtbarkeit des Zusammenlebens.
    Betrachtet man sie vom individuellen Kalkül des Nutzens her, so erscheint diese Notwendigkeit als Hindernis, als Marktverzerrung, ja als Feind. Für die herrschenden Werte unserer Gesellschaft sind die Notwendigkeiten des Zusammenlebens nichts weiter als Feinde, als Irrationalitäten,als Verzerrungen für die Perfektionierung von Funktionsmechanismen.

    Aus dieser Perspektive des individuellen Nutzenkalküls wird verständlich, was der Dadaist Francis Picabia im Cafe Voltaire in Zürich während des Ersten Weltkrieges erklärte:
    Das Unverzichtbare ist nutzlos. Das Unverzichtbare, auf das er sich bezog, sind:
    das menschliche Zusammenleben, der Frieden und der Schutz der Natur. Sie sind nicht unter das individuelle Nutzenkalkül subsumierbar. Daher sind sie nutzlos. Der individuelle Nutzen wird immer dort maximiert,wo das Zusammenleben verachtet wird, wo Krieg oder Frieden unter dem Gesichtspunkt dieses Kalküls entscheidet. Das Unverzichtbare ist nutzlos.

    Den Amazonaswald zu zerstören, dies ist ganz außerordentlich nützlich. Es gehört zum Nützlichsten, was wir uns vorstellen können. Für welches Nutzenkalkül könnte es nützlich sein, ihn nicht zu zerstören? Für keines. Es wäre natürlich sehr nützlich, ihn nicht zu zerstören, aber kein individuelles Nutzenkalkül kann die Nützlichkeit von etwas aufzeigen, das unverzichtbar ist. Das Unverzichtbare ist nutzlos.

    Als sich im Dezember 2009 die Staaten der Welt in Kopenhagen trafen, um Maßnahmen zum Klimawandel zu ergreifen, machten alle das entsprechende individuelle Nutzenkalkül. Welche Haltung sicherte ihnen das Nutzenmaximum? Es war unverzichtbar zu handeln. Aber indem die Staaten ihr individuelles Nutzenkalkül machten, waren sie sich klar, dass das Unverzichtbare nutzlos ist. Daher entschieden sie völlig rational im Sinne unserer herrschenden Vorstellung von Rationalität, nichts zu tun. Wenn es um das Unverzichtbare geht,gewinnt immer derjenige am meisten, der am wenigsten tut. Die anderen haben die Kosten, und er gewinnt, ob er sich beteiligt oder nicht.Folglich entschieden alle, indem sie ihren Nutzen maximierten, und taten gar nichts. Als der deutsche Umweltminister erklärte,Deutschland werde handeln, auch wenn andere es nicht tun, erklärte ihn der Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI),Hans-Peter Keitel, für irrational, sogar für verrückt.
    Der Umweltminister zog seine Stellungnahme natürlich sofort zurück,denn es hatte der Vertreter des Souveräns unserer Gesellschaft gesprochen. Vom Standpunkt aus, den unsere Gesellschaft für einzig rational erklärt, tat er jetzt auch das einzig Rationale, nämlich nichts zu tun.

    Das Unverzichtbare ist nutzlos, wenn man es vom Standpunkt des individuellen Nutzenkalküls aus betrachtet. Daher ist es auch für die Politiker am nützlichsten, sich zu Dienern des Kapitals zumachen.
    Das Treffen von Kopenhagen scheiterte nicht etwa deswegen, weil die Teilnehmer schlecht kalkulierten.

    Es scheiterte, weil sie richtig kalkulierten.

    Natürlich gilt dies nur, wenn die Gesamtheit, um die es geht, überlebt. Wenn nicht, gehen alle unter, weil sie richtig und rational kalkulierten.

    Die Natur ist nutzlos, es sei denn, sie wird in natürliches Kapital umgewandelt, damit sie unter dem Gesichtspunkt des individuellen Nutzenkalküls ausgebeutet werden kann.

    Der Mensch selbst ist nutzlos und wird zum Wegwerf-Menschen gemacht, es sei denn, er wird umgewandelt in Humankapital, um unter dem Gesichtspunkt irgendeines individuellen Nutzenkalküls ausgebeutet zu werden. Diese Ausbeutung kann Selbstausbeutung sein, indem sich der Mensch zu sich selbst als seinem auszubeutenden Kapital verhält. Sie kann aber auch Ausbeutung durch Andere sein, die dieses Humankapital, das der Andere ist, unter dem Gesichtspunkt ihres eigenen individuellen Nutzenkalküls ausbeutet. In jedem Falle ist das Unverzichtbare – der Mensch in seiner Menschlichkeit und die äußere Natur in ihrem Eigenleben – nutzlos.
    Stets ergibt sich ein Spiel der Verrücktheiten.

    Das Zusammenleben zu respektieren ist Verrücktheit für den, der sein Handeln auf das individuelle Nutzenkalkül reduziert, aber gerade diese Reduzierung der Kriterien des Handelns auf das individuelle Nutzenkalkül ist Verrücktheit, wenn man sie von der Unverzichtbarkeit des Zusammenlebens her sieht, welche die äußere Natur einschließt und letztlich nichts anderes als das Gemeinwohl bezeichnet.

    Wir treten zur Zeit in eine geschichtliche Epoche ein, in der sich diese Unverzichtbarkeit des Gemeinwohls überall bemerkbar macht …

    mvg Philzer

    • semper
      21. März 2021 at 8:25

      Hallo Philzer,
      danke für den sehr interessanten Beitrag.
      Hinkelammert’s Defintion des individuellen Nutzenkalküls ist meines Erachtens unvollständig und es entbehrt einer grundlegenden Logik.
      Selbstverständlich ist der Schutz der Natur auch im Sinne des individuellen Nutzenkalküls, nämlich insofern, dass ein Konsument oder Individuum oder eine Interessengemeinschaft oder ähnliches länger und somit mehr und intensiver konsumieren kann, wenn er/sie/es möglichst lange lebt/existiert.
      Und zu einem langen und intensiven Leben gehört selbstverständlich und quasi als Grundvoraussetzung eine intakte Natur.
      Genau darin besteht doch der individuelle Nutzen!
      Das ist entweder ein Widerspruch, oder ich habe es nicht verstanden.
      Ich fürchte aber eher, die Vertreter dieser Werte der Marktethik haben diesen Aspekt nicht verstanden.
      Oder ihre Intelligenz reicht nicht so weit, diese banalen Zusammenhänge zu erfassen?

  2. Philzer
    21. März 2021 at 18:14

    Naja, mehr Ironie und Sarkasmus als Hinkelammert hier aufbringt, geht wohl kaum.
    Aber, ok – es muss einem liegen. 🙂

    mvg Philzer

    • semper
      22. März 2021 at 17:20

      Da mag es Ironie und Sarkasmus bei Hinkelammert gewesen sein.
      Das habe ich als wohl solches nicht sofort erkannt, da ich viel in den sozialen Netzwerken bzw. bei youtube verfolge, unter anderem die Kommentare.
      Und, was man dort zu lesen bekommt, folgt diesem Schema nur allzu gut. Dass eben extrem viele Menschen anscheinend auf dieses Schema des individuellen Nutzenkalküls konditioniert worden sind und sich dementsprechend gebärden und äußern.
      Am Beispiel der Klimaerwärmung geht dies von Kommentaren wie ‚Bevor wir untergehen will es noch Mal richtig krachen lassen‘ über ‚Klimaerwärmung ist Fake oder Verschwörung‘ (was noch harmlos ist) bis ‚Was interessiert mich die Klimaerwärmung, solange ich meinen SUV fahren kann‘.
      Ich habe noch schlimmeres gelesen, jedoch erinnere ich mich gerade nicht daran.
      Demnach hat sich wohl Hinkelammers Ironie und Sarkasmus zur Realität umgewandelt und ist dabei heute garnicht mehr so lustig, sondern real.
      Diese geistige Armut, wie ich es gerne nenne, zermürbt und erschüttert.

  3. Philzer
    23. März 2021 at 14:22

    Das dies eine Konditionierung ist denke ich eher nicht. (ich will auch keine Verschwörungstheorien)
    Ich hatte vor 20 Jahren einige Philosophen gelesen, und kam schnell zu dem Schluss, so wird das nie etwas (mit dem die Welt-verstehen).
    Bei (fast) jedem findet man etwas Brauchbares, um quasi kurz darauf, ein paar Seiten weiter, zu denken: nee, das ist komplett falsch.
    Zum Glück bin ich dann auf Freud gestoßen (wichtig auch die Reihenfolge – da ich durch die Philosophen nun einige ihrer Problemstellungen kannte – sonst hätte ich den Wert von Freud vmtl. nicht erkannt ! ) Tja, und da hatte ich mein Heureka.

    Freuds ‚Es‘ als die ’stinkalte‘ biologische Einheit (Amygdala … ), die nur im Jetzt ist, die Zeit nicht kennt (also auch keine Kausalität – siehe Weltübernutzung) und aber Chef dieser biologischen Einheit ist. (Freud Instanzenmodell)
    Hinweis: Freuds ‚Es‘ ist bei Damasio das Kernbewusstsein.
    Vieles von Freud mag überholt sein (wie sein Todestrieb und anderes) aber sein Grundmodell ist der Schlüssel dazu diese Welt zu verstehen.
    Ich habe dann also – quasi zur Überprüfung von Freud – Damasio gelesen (‚Ich fühle also bin ich‘), und oft dabei gedacht, Mensch – wie genial doch Freud das vorweggenommen hat. Freud hatte nicht die praktischen Möglichkeiten von Damasio.

    Freud soll wohl einmal gesagt haben: Ich habe ein Modell gemacht, es wäre schön wenn man es einst biologisch überprüfen könnte.

    Das ist heute möglich und Freud wurde m.E.n. bestätigt.
    Jedenfalls in den für meine Phil wichtigen Dingen.

    Die wichtigste Konklusion die also aus Freuds Modell folgt ist diejenige, dass der Mensch nicht zur Vernunft an sich fähig ist, sondern nur zu einer vom ‚Es‘ versklavten Vernunft. Horkheimer nannte dies instrumentelle Vernunft. Popper nannte es wohl Vernunft als Handlungsstrang.

    Meine Definition geht so:

    Instrumentelle Vernunft ist diejenige Teilmenge der Vernunfterkenntnis, die sich unter die irrationalen Strebungen des ‚Es‘ subsumieren lassen.

    Diese instrumentelle Vernunft hat nun zwei Aufgaben, eine praktische und eine theoretische:

    Die erste, praktische Aufgabe ist die Perpetuierung und Steigerung des gelebten Opportunismus.(irrationales Kampfdasein o.s.ä.)
    Das drückte wohl Goethe am besten im Faust aus: Er nennts Vernunft und brauchts allein, nur tierischer als jedes Tier zu sein.

    Die zweite ist die konsequente rhetorische Verleugnung genau dieser Tatsache, und dies drückte wohl Markus Gabriel am besten aus:
    Der Mensch ist das Tier was keines sein will.

    Mein Modell der N.d.N. habe ich vor ca 12 Jahren gemacht, es bestätigt sich quasi Tag für Tag, mit einer Ausnahme.
    An einen sich vierdimensional verhaltenden Menschen glaube ich heute nicht mehr, d.h. der zweite Negationspunkt im Schaubild ist das Verlöschen der Zivilisation.

    Und dies, sagte ich ja schon, ist auch die kürzeste Antwort auf das Fermi-Paradoxon.

    http://fs5.directupload.net/images/170320/iyadfkp6.gif

    …mittlerweile hab ich noch mehr solcher Modelle gemacht, zur Demokratie etc …

    Und ja, schön sind diese Resultate nicht, aber es sind eben Erkenntnisse die exakt erklären was ist.

    mvg Philzer

  4. Philzer
    11. Mai 2021 at 10:44

    Colorismus

    Die Wahrheit mag der Mensch nicht, er will täglich neu schillernden Nihilismus, die religiöse Irrationalität, die Qualia und das auf ihrem Parkett stattfindende Leben täglich neu und wild mit Farbe bekippen, sich dabei einredend im Eimer wäre Geist gewesen, wo es doch nur für Kreide reicht.
    Sinn durch den Rausch der Sinne ertränken.
    Klar, das nennt man Leben.

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