Brain Fuck N° 1 : Autonomes Fahren

Ja, das Autonome Fahren. Kaum eine Ausgabe einer Zeitschrift oder Zeitung, die ohne dieses Thema auskommt.
Es wirkt, wie die Einstimmung auf eine unausweichliche Verheißung der Wirtschaft, die uns alle glücklich(er) macht.
Seltsamerweise habe ich noch nie einzelne Personen oder gar Menschengruppen wahrgenommen, die brennend auf diese Technik warten, jubelnd auf der Straße stehen und es kaum noch aushalten können, mit einem solchen Vehikel zu fahren. Im Grunde widerspricht es ja der Erfahrung des Autofahrens als solches. Das Fahren wird zur Nebensache, ein notwendiges Übel. Denn eigentlich wussten wir es schon lange. Das Autofahren ist doch nur lästig und hält von den wichtigen Dingen des Lebens ab.
Kurioserweise wird damit in diesem Zusammenhang sogar geworben, obgleich es bisher noch kein autonom agierendes Fahrzeug zu kaufen gibt, was an sich bereits markant aber auch suspekt anmutet. Die alten Taschenspielertricks der Marketing-Industrie für das Kaufvieh der Moderne.
Das Autonome Fahren spart Zeit. Man kann dann bereits auf dem Weg zur Arbeit arbeiten oder zumindest die News lesen, um auch über die aktuellen Börsenkurse informiert zu sein. Na, wenn das kein echter Vorteil ist…

Wenn das Autofahren zur Nebensache wird, was machen dann all die Leute, für die Autofahren eine Betätigung, Spass, Herausforderung oder gar Leidenschaft ist? Diese Menschen sind wohl kaum die Zielgruppe dieser neuen und innovativen Technik. Aber die werden sich schon noch umgewöhnen (müssen). Und schließlich werden auch diese Leute profitieren vom Mehr an Zeit, die sie dann bereits im Auto zum Arbeiten nutzen können oder dafür, so wichtige Fragen der Kinder wie ‚Pappa, wo bist du gerade?‘ noch auf dem Heimweg zu beantworten.

Dabei ist es ja nicht nur das Autonome Fahren, das Einzug hält. Online-Module, mit denen diese Fahrzeuge ständig eben ‚online sind‘, werden ja auch gleich mit eingebaut. Diese Fahrzeuge kommunizieren natürlich (nicht nur) mit den umgebenden Fahrzeugen und mehr. Die völlige Digitalisierung des Lebens und der Lebensumstände. Wo ist wer, was macht wer gerade? Alles kein Problem.
Glücklich darüber dürften diejenigen sein, die sich diese Daten aneignen. Eine weitere Schatzgrube der Kommerzialisierung des Lebens der Massen, mit dem sich (wieder einmal) Billiarden verdienen lassen. Entsprechende Profile dieser Menschen, in Verbindung mit den zahllosen anderen Daten, die ein Mensch landläufig hinterlässt, dürften eine gute Stange Geld wert sein.

Der zweite Vorteil, der aktuell immer wieder hervor geholt wird, sind die Unfallzahlen.
Dabei gilt das jedes Jahr neu aufgeworfene Credo: Jeder Unfalltote ist zu viel. Im Jahre 2017 waren es mehr als 3000 Unfalltote in Deutschland. Bei Milliarden Fahrten jährlich ist das natürlich viel zu hoch. Um die Zahl 3000 auf, sagen wir, 2 pro Jahr zu senken, bedarf es natürlich der Technik des Autonomen Fahrens. Und dies ist natürlich eine Rechtfertigung schlechthin. Und es war natürlich die Hauptmotivation der Entwickler, die Unfallzahlen zu minimieren, ganz klare Geschichte. Und einzig aus diesem Grunde wird das Autonome Fahren sinnvoll sein. Deshalb schlage ich vor, dass man einen Großteil der zukünftig eingenommenen Gewinne in die Erforschung der Antibiotika-Resistenzen steckt, denn deren ‚Opferzahlen‘ dürften aktuell bereits jährlich in der Bundesrepublik höher als 3000 sein. Das wäre doch mal sinnvoll. Man sollte dies den Spekulanten, Aktionären und Profiteuren der Technik des Autonomen Fahrens vorschlagen. Ob die darauf eingehen werden? (/Ironie Ende)

Mit total vernetzten und automatisierten Fahrzeugen sollten Auffahrunfälle oder Unfälle als solches garnicht mehr vorkommen. Kann ja auch nicht, denn die Algorithmen ‚wissen ja alles‘ bzw. beherrschen jede Situation. Wer’s glaubt. Wer einmal in seinem Leben ausgiebig programmiert hat, weiß, dass ein Programm nur so schlau ist, wie die Entwickler, die dieses Programm umgesetzt haben.

Dann wären wir bei den neuronalen Netzen, eine Programmform, die in Anlehnung an die Funktion von Nervenzellen, also Neuronen, angelehnt ist. Aber die müssten es doch hinkriegen, auf jedwede Situation angemessen zu reagieren? Das hängt davon ab, wie gut das Netz konditioniert ist und in der Lage sein wird, sich selbst zu konditionieren bzw. anzulernen oder weiter zu entwickeln.

Die Antwort der Natur war in diesem Zusammenhang die Entwicklung des Bewußtseins. Das Bewußtsein befähigt das Individuum zur individuellen Lösungsfindung je nach Situation, Zeit, Umstand, Umgebungsfaktoren und Zusammenhang. Gewissermaßen eine Übertragung der Verantwortung auf das Individuum, welches innerhalb eines gewissen Freiheitsgrades eigenmächtig entscheiden und handeln kann.
Das geht schneller, d.h. die Organismen können sich schneller und effektiver an geänderte Lebensumstände (biotisch und abiotisch) anpassen. Als Beispiel kann der Angriff eines Löwen gelten. Wie kann ein menschlicher Vorfahre am effektivsten dieser Gefahr begegnen und das Aussterben der ganzen Art verhindern, also bevor allesamt aufgrund ihrer Dummheit oder Handlungsunfähigkeit von Löwen aufgefressen worden sind? Wenn nun rein genetisch das Verhalten ‚Lauf weg und klettere auf einen Baum‘ etabliert wird, könnte dies gemäß der Mechanismen der Evolution Jahrtausende, wenn nicht länger dauern. Und was, wenn das nächste Mal ein Tiger angreift? Es ist also klar, dass ein Bewußtsein und die dadurch mögliche Bildung des ‚Ichs‘ oder Egos eine ziemlich geniale ‚Idee‘ der Natur war. Dabei gilt, je komplexer der neuronale Aufbau, desto komplexer das Bewußtsein und die damit einhergehende Handlungsfreiheit, d.h. das autarke Handlungsvermögen.
Was im Übrigen beinhaltet, dass alles Leben ein Bewußtsein haben dürfte. Aber das würde jetzt in ein anderes Themengebiet führen.
Nun, was soll das ganze Geschwafel über das Bewußtsein, wir waren doch bei neuronalen Netzen?
Ganz klar, ein auf Silikon gebanntes und künstlich geschaffenes neuronales Netz wird niemals so gut sein wie ein ‚echtes Bewußtsein‘. Denn einem neuronalem Netz sind per se Grenzen gesetzt. Das natürlich und über Jahrmilliarden entwickelte Bewußtsein ist das aktuelle Optimum, was an individueller Intelligenz, Handeln und Ermessen möglich ist. Zudem ist es um Zehnerpotenzen effektiver als jeder aktuell umsetzbare Rechner.
Mag sein, dass man ein wie auch immer geartetes Bewußtsein eine Tages künstlich erschaffen können wird. Aber das wäre nun wirklich Sciencefiction. Heute weiß niemand auf der Welt auch nur ansatzweise, was überhaupt das Bewußtsein ist oder gar, wie es zustande kommt oder funktioniert.

Und was bedeutet das schon wieder? Nun mit der Entwicklung des Autonomen Fahrens werden neue Ängste in den Markt gehauen. Denn wenn bereits ein Fahrzeug selbständig und anscheinend intelligent durch die Gegend fährt, ist es ja nicht mehr lange hin, bis auch Androiden durch die Gegend laufen und uns ablösen werden. Die ebenso intelligent, wenn nicht sogar intelligenter sein werden.
Laßt euch nicht verarschen. Bisher weiß niemand, wie das Bewußtsein funktioniert, wie es zustande kommt und worum es sich dabei eigentlich handelt. Meine o.g. Ausführungen haben auch nur die Vorteile skizziert, die ich annehme.

Wir können also festhalten, dass das Autonome Fahren erneut einen Markt der Extreme öffnet und ein Bedürfnis schafft, von dem die Menschen bisher nichts wussten. Oder besser gesagt, nichts wissen konnten. Einfach, weil es dieses Bedürfnis und diese neue, tolle Technik bisher nicht gab. Aus Sicht der Wirtschaft ist es stets eine gute Sache oder das marktwirtschaftliche Optimum, neue Bedürfnisse zu schaffen, mit denen man Billiarden Euro, Dollar Yen oder was auch immer verdienen kann. Das wiederum heizt die Spirale an. Mal abgesehen von den Haupt-Profiteuren, das sind Unternehmen, deren leitende Manager und Vorstände sowie Aktionäre, wird es ein neues und modernes Ziel der gesichtslosen Massen sein, von dieser Entwicklung zu profitieren. Diesem Ziel, quasi als nüchterner Ersatz für die materialistisch nicht zu beantwortende Frage nach dem eigentlichen Sinngehalt des persönlichen oder gar des Lebens als solches, kann man dann nachstreben. Für diejenigen, die das Glück haben werden, von dieser Technik materiell zu profitieren, wird es als Genuß ausreichend sein, sich das Leben zu erklären. Denn ein Leben mit und durch die Technik entspricht dem Konsens, dem Dogma und dem Weltbild des Materialismus, den die Wissenschaft als einzige Wahrheit proklamieren mag.
Letztlich handelt es sich beim Autonomen Fahren einerseits um einen neuen, modernen und hippen Begriff. Das muss man eben haben, um sich, oberflächlich betrachtet, günstig darzustellen.
Andererseits ist es wohl primär schlicht ein neues Verkaufsargument. Wer möchte schon die alten Kamellen mit veralteter Technik kaufen? Und Kaufen sollte ja unsere Hauptaufgabe, Lebensinhalt und Lebensziel sein.

Doch die meisten werden wohl, wie schon so oft, leer ausgehen.
Das alte, würde- und geistlose Gesicht der Zahlen, des Kapitalismus und des Kommerzes.
Die Rechnung werden also, wieder mal, andere begleichen müssen.

Lasst euch nicht mit diesen blumigen Marketing-Verheißungen einlullen.
Für uns ‚Organische Lebensformen‘ gibt es immer noch erstrebenswertere Ziele als die der Wirtschaft.
Auch wenn das vielen nicht bewußt ist. Das sind dann eben arme Schweine.

Und deshalb ist das Autonome Fahren ein klassischer ‚Brain Fuck‘.
Unser Gehirn wird gefickt und mit Inhalten gefüttert, die uns persönlich und ‚effektiv‘ eigentlich nichts bringen, sondern eher nur den Profiteuren aus Wirtschaft oder Politik.
Aber nur wenigen fällt es auf, wenige scheren sich drum oder interessieren sich für diesen Zusammenhang.
Deshalb Scheiß drauf! Das ist eben der Lauf der Dinge. 🙂

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