Ein Schmelz in der Mittagssonne

Die Gestalt der Gegenwart verblasst
vor einem Tor der Merkwürdigkeiten,
die Schraffur im Gesicht verrät die Zeit
in der Zauberwelt des Schöpfers,
in der einst ein Schein offenkundig
das Vermächtnis des Lebens schenkte,
so dass es für all jene sichtbar wurde,
die ein Teil des Ganzen waren.

Auf diese Weise entsteht Vollkommenheit,
denn ein Gemälde auf dem Fenstersims
erschließt sich nicht durch den Pinselstrich des Meisters,
vielmehr birgt ein Blick aus der Ferne die Erkenntnis der Weite
und das ist, was geschieht und was bleibt,
ist nicht bloße Erinnerung,
wie der Blick durch ein verschmutztes Fenster,
oder das ausgedünnte Haar im Spiegel,
bevor die Festung des Körpers erlischt,
die bloß Form war, aus Erde und Lehm gemacht,
um im nächsten Moment aufzugehen,
losgelöst vom Rahmen der Begrenzung
in die Ewigkeit entlassen,
wie ein Schmelz in der Mittagssonne.

(2018 – Das, was geschieht, wenn das Leben aus dem Körper geht)

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