Der Traum: Der kleine Bruder des Todes?

Nun begab ich mich seit mehreren Jahrzehnten erneut auf die Recherche im Netz, um herauszufinden, ob die Wissenschaft mittlerweile eine Erklärung für das Phänomen des Traumes gefunden hat.
Um es kurz zu machen: Es gibt keine eindeutige und unstrittige Erklärung für das Träumen. Oder überhaupt den Schlaf als solches.
Das ist doch erstaunlich. Da fliegt der Mensch zum Mond, gründet Städte, in denen mehrer Millionen Menschen leben oder baut nicht so lustige Bomben, die mal eben eine ebenso gewaltige Zahl an Menschen mit einem Schlag auslöschen könnten.

Aber für so einfache und tägliche Ereignisse wie den Traum hat die Wissenschaft keine Erklärung. Irgendwie schwach, wie ich finde. Aber vieleicht auch nicht sonderlich überraschend. Kann es sein, dass der Wissenschaft etwas entgeht?
Dass ihre Sicht der Dinge in der Natur falsch oder zumindest unvollständig ist?

Ich maße mir dementsprechend natürlich auch nicht an, eine Antwort darauf zu haben. Doch wenn man sich der Sache allein auf Grundlage der einfachen Beobachtung nähert und Zusammenhänge in Erwägung zieht, die auch mal ein bischen, aus Sicht der nüchternen Wissenschaftler, fantastisch sein können, kommt man auf einfache Rückschlüsse.
Diese erklären natürlich das Phänomen nicht, aber sie sind zumindest ganz interessant.

Ich versuche mir meine Träume seit min. 35 Jahren zu merken oder zumindest auf sie zu achten. Eine Empfindlichkeit ihnen gegenüber zu entwickeln und sie, im krassen Gegensatz dazu, nicht einfach als ‚Spinnerei‘ zu ignorieren oder sie abzutun.

Neulich, nachdem ich wieder einige Träume hatte, war ich auf den Gedanken gekommen, dass in der Mehrzahl das Ich, das den Traum erlebt, sich meist in einer -aus der Sicht des Alltagsbewußtseins- etwas unglücklichen oder passiven Lage befindet.
Meist ist es so, dass man in eine Szene hineingeworfen wird bzw. die Szene spielt sich vor einem ab, ohne dass man großen Einfluss darauf hätte. Deshalb wundert man sich am darauffolgenden Tag, ‚was man da wieder geträumt hatte‘.

Es ist ja schließlich nicht so, dass man vorher das Szenario aktiv zusammenstellt oder gar danach gefragt wird. Zumindest kommt es einen nicht so vor.
Das Ich, oder ist es das Bewußtsein?, befindet sich einfach in der Szene. Punkt. Und muss damit klar kommen. Die Handlungen eines Traumes spielen sich vor einem ab. Als Beobachter reagiert man meist nur wie passiv auf das, was geschieht. Deshalb habe ich auch oft Angst vor dem, was in einem Traum geschieht. Ich habe schon oft versucht, mit dem Gedanken schlafen zu gehen, dass ich versuchen werde, mit meiner Einflussnahme im Traum, also im Traum, bewußt zu werden.
Quasi, dass ich mir beispielsweise im Traum des Traumes bewußt werde und z.B. derart reagiere, dass ich dann im Traum denke: „Hey, das ist alles nicht gruselig oder schlimm. Mir kann nichts passieren, weil das alles nur ein Traum und somit virtuell ist.“ Doch das war mir bisher niemals wirklich gelungen. Ich fühle mich als passiver Beobachter, oder, wie es die jüngeren vielleicht ausdrücken würden, man kommt sich vor wie ‚ein Opfer‘.

Ich finde, diese Erkenntnis ist bereits sehr interessant. Wieso ist das so und was könnte zu dieser Passivität führen?

Ich hatte darauf eine Idee, die mich seitdem nicht mehr los lässt.
Im Schlaf, wozu dieser letztlich auch gut sein mag, man weiß es schließlich nicht, ruht der Körper. Die Körperfunktionen sind auf ein Minimum reduziert. Was wäre, wenn das Diesseits-Bewußtsein, welches ebenfalls im Körper als eine Art Logikeinheit existiert, ebenfalls ruht?
Was ist eine Logikeinheit? Ich könnte mir denken, dass alles, was uns dabei hilft, in unserer Realität gut klar zu kommen, in unserem Gehirn gespeichert oder über dieses errechnet wird. Einfach, weil es schneller und effektiver ist.
Während unserer gesamten Existenz, beginnend bei der Geburt, sammeln wir Erfahrungen, was unsere Umwelt betrifft.
Woraus setzt sich unsere Umwelt zusammen? Welche Gesetze gibt es in unserer Welt? Worauf muss ich achten, um zu überleben? Was ergibt 1+1? Wie weit ist es vor hier nach dort? Wie weit ist ein Meter?
Also, alle logischen Zusammenhänge unserer Welt bzw. Realität könnten in einer Art rationalen Einheit, bei welchem das Gehirn eine Rolle spielt, beheimatet sein.

Wenn wir nun schlafen, fahren die organischen Systeme herunter, wie gesagt, weshalb auch immer.
Somit würde auch die Rationalität herunter fahren, da unser Gehirn ebenfalls in der Tätigkeit herunter fährt.

Im Schlaf erleben wir irgendwelche Szenen, wie und weshalb ist unbekannt. Aber unser Ich oder ein anderweitig geartetes Bewußtsein, erlebt ja diese Szenen.
Da unsere Logikeinheit, also unser Gehirn, heruntergefahren oder zumindest nur minimal aktiv ist, können wir dies nicht abrufen und können nur emotional aktiv sein. Daher fehlt uns alles, was sich rational im Traum verhalten könnte bzw. was es uns erlauben würde, den Traum rational wahr zu nehmen und vielleicht sogar zu ergründen.
Somit stehen wir ohne Logik und Ratio dar und sind vielfach beherrscht von Emotionen, haben Angst, was geschieht oder wozu sich eine Person gleich verwandeln wird oder etwas in der Art.
Wir können keinen Einfluss nehmen, weil wir uns im Traum rational nicht bewußt sind, obgleich es noch eine Instanz gibt, die den Traum wahrnimmt.

Auf jeden Fall können diese Beobachtungen deutlich aufzeigen, dass die menschliche Existenz, auch und insbesondere die geistige Existenz eines Menschen, nicht so einfach zu erklären ist wie es die Wissenschaft gerne macht.
‚Der Mensch ist nur eine Maschine, wenn auch eine recht komplexe‘. Das ist natürlich völliger Mumpitz und zeugt von deutlicher Ignoranz. Aber wieso sollte man sich auch mit etwas befassen, wenn es meiner Karriere, meinem Profit nicht förderlich ist oder gar mein Verständnis übersteigt?

Ich finde, wennn man sich der Sache einmal ganz sachlich nähert, ist auf jeden Fall die Aussage gesichert, dass der Mensch nicht einfach eine Maschine ist. Der Geist und das Bewußtsein sind ganz ausdrücklich vielschichtig, wie die o.g. Beobachtungen aufzeigen!

Wir sollten uns nicht einfach wie biologische Maschinen betrachten, denn das sind wir nicht.
Schon allein der Vergleich Maschine und Mensch zeigt schon die Ignoranz und Kurzsichtigkeit auf. Diese Elemente können nicht verglichen werden und schließen sich eigentlich gegenseitig aus.

Die Idee, die ich oben hatte, kratzt dabei lediglich am Gesamt-Phänomen des Träumens an sich.
Es wäre eine Bereicherung für die gesamte Menschheit, wenn man das Phänomen Traum in seiner Bedeutung ergründen würde.
Es würde sicherlich mehr dazu beitragen, dass wir verstehen, wer wir sind, als alles vernichtende Waffen zu bauen oder diesen Planeten mit aller Gewalt zu vernichten.

Wenn an diesem Gedanken etwas dran ist, dass die Rationalität überwiegend im Gehirn oder über das Gehirn stattfindet, was geschieht, wenn unser Körper stirbt? Existiert dann der Rest unseres Geistes oder unserer Identität weiter wie im Traum bloß ohne die auf unsere Realität spezifisch erstellte und gespeicherte Rationalität? Und begeben wir uns einfach mit dem Rest unserer geistige Existenz in eine andere Realität, die bereits immer und stetig neben unserer Realität Bestand hatte?
Ist der Traum eine Art Erlebnis- oder Beschäftigungs-Park für unser Bewußtsein, das schließlich nicht ruhen muss, weil es keine Zeit gibt in der Welt oder Realität, in der es beheimatet ist? Im Gegensatz zu unserer Realität, die bestimmt ist von den Gesetzmäßigkeiten wie die Zeit?

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