Die Elbphilharmonie wird eröffnet. Kinder in der Tafel. Wie passt das zusammen?

Gerade sehe ich mit Schmerz die Live-Übertragung im NDR zur Eröffnung der Elbphilharmonie.
Gut, ich bin kein Hamburger, doch trifft mich dieses Ereignis als wäre ich einer.
Schon oft hatte ich davon gehört. Es war in den Medien auch kaum zu übersehen oder zu überhören.
Ein Prestigeobjekt, mittlerweile scheut man selbst die Verwendung dieses Begriffes nicht mehr, dessen Baukosten auf knapp 800 Millionen Euro geschätzt werden. Dabei handelt es sich nicht etwa um Gelder, die irgendwelche Investoren bereit gestellt haben.
Nein, es handelt sich um Steuergelder. Ein Hohn.
Dabei ist nicht jedem klar, wieviel Geld das eigentlich ist.
Einer Schätzung des Handelsblattes nach, würde man mit einer Milliarde Euro, aufgeteilt in 50 Euro-Scheinen, die man aneinander legt, 70mal die Erde umwickeln können. Ein Wahnsinn.
Wie oft würde man die Erde umwickeln können bei 800 Millionen Euro? 60 Mal?

Schnitt.

Ende letzten Jahres nahm ich an einer Veranstaltung teil, bei der der Leiter der Tafel in Osnabrück zugegen war und eine Spende entgegen nahm. Er berichtete, dass in Osnabrück ca. 400 Kinder wöchentlich zur Tafel kommen (müssen), um eine Mahlzeit zu erhalten, da sie zuhause nicht genug zu essen bekommen.
In Hamburg wird es dieses traurige Ereignis sicherlich auch geben. Vielleicht im Verhältnis zur Einwohnerzahl äquivalent.
Wenn also Osnabrück ca. 160.000 Einwohner hat mit ca. 400 Kindern, die zur Tafel kommen.
Hamburg hat ca. 1.700.000 Einwohner. Wenn man per Dreisatz schätzen mag, könnte es also in Hamburg auf diese Weise geschätzte 4250 Kinder geben, die eine Tafel aufsuchen müssen. Das ist natürlich alles nur bezogen auf hiesige Verhältnisse und genau weiß ich das nicht.
Doch da Osnabrück eine verhältnismäßig wohlhabene Stadt ist (sein soll), denke ich, dass diese ‚Hochrechnung‘ vielleicht sogar plausibel sein könnte.
Doch auch wenn es nur 3000 Kinder in Hamburg sein sollten, wird doch mein Fingerzeig mehr als deutlich.
Wie können Politiker eine Baumaßnahme dieses Ausmaßes vor diesem Hintergrund planen und durchdrücken?
Wir erinnern uns. Politiker dienen dem Volk. Das Volk ist der Souverän.
Demzufolge müssen sie zum Wohle des Volkes handeln.
Wie kann dann ein solches Gebäude gebaut werden, wenn mehrere tausend Kinder in der Stadt zur Tafel gehen müssen, um etwas zu essen bekommen?

Nun lassen sie sich feiern. Es sind alle da.
Ob Bundespräsident, Bundeskanzler(in), Bürgermeister von Hamburg usw..
Natürlich auch jede Menge Promis.

Doch zumindest die Politiker sind keine Promis, keine Stars in diesem Sinne.
Sie sind die Diener des Volkes, welches sie bezahlt, damit sie im Sinne des Volkes handeln und dieses vertreten. Makaber.
Ein Trauerspiel der Vernunft, des Vertrauens, das die Bürger in die sie leitenden Personen gesetzt haben.
Eigentlich ein Armutszeugnis der Kompetenz der verantwortlichen Personen.

Wenn man es so sieht, ist daran zu zweifeln, ob hier tatsächlich die Interessen des Volkes vertreten werden.
Das Prestigeobjekt soll von weit her sichtbar sein.
Ein Monument der Eitelkeiten, der Macht.

Die Message ist klar. Das immergleiche Lied vom Erfolg, von Macht und Gewinn.
‚Hochmut kommt vor dem Fall‘, fällt mir dazu als Redewendung ein.

Die Verlierer des Systems dürfen es sich ansehen. Auch und besonders von weitem, soll es sichtbar sein.
‚Wenn du da rein darfst, hast du es geschafft.‘
Angeblich soll es für die Bevölkerung, für jeden, sein.
Doch wie lange die Hamburger dafür arbeiten und Steuern zahlen müssen, also umgerechnet, wird wohl nicht erwähnt.

Und die tausende Kinder müssen halt weiter täglich zur Tafel kommen, um etwas zu essen.
Den Verlierern wird nicht einfach so geholfen. Sie haben nichts und bekommen auch nichts.
Wie lange man wohl die Hamburger Tafel mit 800 Millionen Euro hätte unterstützen können?

20 Jahre? 30 Jahre? 40 Jahre? Länger?

Wie lange noch wird man mit dieser geringen Qualität an Bewußtsein weiter kommen?
Wie lange noch müssen wir diese Fehlleitungen ertragen?

Dieses unerträgliche Mißverhältnis zwischen dem, was der Auftrag, die Pflicht, die Verantwortung, die Vernunft und die Ratio ist und dem, was tatsächlich mit der zur Verfügung gestellten Macht angestellt wird.

Ich stelle mir vor, ich sei zu diesem Zeitpunkt der Bürgermeister dieser Stadt.
Könnte ich ruhig schlafen?

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