Die Macht der Subjektivität. Ein Nachruf und Schreiben an meinen Freund im Geiste, Hans Jonas

Sehr geehrter Herr Jonas,
wie Sie vielleicht wissen, schätze ich Ihr Werk ‚Macht oder Ohnmacht der Subjektivität?‘ sehr.
Ich möchte mich direkt auf Ihre beiden ontologischen Rätsel beziehen, welche überaus berechtigt und scharfsinnig dargelegt haben, dass die Epiphänomen-Hypothese bar jeglicher Kausalitätsbeziehung und somit unwirksam ist. Wie Sie überaus treffend hergeleitet haben, sehen wir uns an dieser Stelle direkt mit der Frage nach dem Determinismus konfrontiert. Denn der Determinismus ist abhängig davon, dass die materiell-physische Originärschicht bar jeglicher Einflussnahme durch eine subjektive Schicht und dessen Motivationen im Sinne eines Willens oder einer Absicht ist und bleiben muss, insbesondere dann, sofern die Annahme gültig ist, dass kein energetischer Aufwand zur Erzeugung der Subjektivität aufgebracht werden darf, damit sie machtlos, das heißt ein Schein sei, was wiederum die Kernaussage und Voraussetzung der Epiphänomen-Hypothese war. Nun kann ich Ihnen mitteilen, dass es in den Jahrzehnten nach Ihrem körperlichen Ableben dazu gekommen ist, dass in wissenschaftlichen Fachbereichen wie der Neurowissenschaft und der Hirnforschung Konsens ist, dass ‚Höhere Hirnleistungen‘ einen nicht unerheblichen Betrag an Energie kosten bzw. zehren.
Nun ist bis zum heutigen Tage ungeklärt, im Sinne einer zweifelsfreien und glasklaren Messung, Lokalisierung und in Ermangelung eines ausgiebig beschreibenden Modells, einerseits, wo und vorallem wie das Bewusstsein als solches zu einem gegebenen Zeitpunkt im Gehirn ‚generiert‘ wird. Andererseits, und als Folge daraus, ob das Bewusstsein überhaupt im Gehirn generiert wird.
Zumindest kann es jedoch legitim erscheinen, anzunehmen, dass das Bewusstsein, und in diesem Zusammenhang vielleicht sogar als Teil dessen, die Subjektivität als ‚Höhere Hirnleistung‘ gezählt werden muss.
Da nun also Konsens ist, dass die ‚Generierung‘ dieser höheren Hirnleistungen einen hohen Betrag an Energie kosten, ist also einerseits die Epi-Phänomen-Hypothese als erledigt anzusehen.
Andererseits muss dann also die Subjektivität als ein ‚echtes Phänomen‘ angesehen werden. Da dessen Generierung also Energie kostet, muss die Subjektivität also Einfluss auf die materielle Welt haben und zwar mittels der körperlichen Handlungen, genährt durch zuvor erfolgte Entscheidungen.
Somit ist also ebenfalls der Determinismus als erledigt anzusehen, denn das zuvor Gesagte bedingt, dass eben die stofflichen Vorgänge nicht ohne Einfluss der Subjektivität sind bzw. sein können.


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