Norddeutsches Land

Abgesteckte Erde unter endlosem Horizont,
durchzogen von Gräben und somit aufgeteilt in Parzellen,
die jemandem gehören.
Hier und da ein wenig Bäume,
zusammengekauert in übersehbare Ecken.
Kontrolliertes Terrain,
für Nichtbesitzer unzugänglich.
Der Zählmeister dieser Einöde
besitzt in bestimmten Abständen Hochstände.
Von hier aus wird das Leben reguliert.
Gemeint ist die Populationsrate.
In diesem Bild fallen gar die nicht wenigen Büsche auf,
die inmitten der,
für die Viehwirtschaft angelegten,
Graslandschaften residieren,
und von urtümlichen Zuständen zu erzählen scheinen,
derart wahllos verstreut sind sie.
Die Nutztiere grasen versonnen in der Sonne,
die ihnen scheinbar zulächelt.
Schwarze und weiße Flecken.
Irgendwo dahinter ist ein Deich,
der die Wassermassen der belasteten Nordsee fern halten soll.
Er ist fein säuberlich gestaltet und ebenfalls mit Gras verziert.
Eine Meisterleistung menschlicher Ingenieurskunst.
Hier fahre ich des öfteren mit dem Rad entlang,
schaue auf die betonierte Küstenlandschaft.
Möwen laufen umher,
sehen künstlich aus.
Diese eingezäunte Natur beruhigt uns.
Wenn ich zu weit hinaus fahre,
bekomme ich Angst,
falls etwas geschehe.
Für Schwarzdenker wie mich hat man schon längst Definitionen gefunden.

(1998 – Beobachtungen und Gedanken zur Monokultur des norddeutschen Landes)

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