Über die geistige Natur von Mensch und Tier

Den nachfolgenden Kommentar habe ich zu einem Clip bei youtube geschrieben, in dem eine Einführung zur Naturphilosophie im Sinne einer Vorlesung behandelt worden war. Es wurde dort gesagt, dass die geistige Natur von Mensch und Tier unterschiedlich sei. Da ich sehr viel Zeit in diese Gedanken und Formulierungen gesteckt habe, wollte ich es nicht dabei belassen, dass es einzig bei youtube erscheint und dort in der Unmenge an Kommentaren untergeht.

Nur gut, dass ich kein Naturphilosoph bin. Denn deshalb kann ich mir die Freiheit erlauben zu meinen, oder zu behaupten oder zu postulieren, dass die geistige Natur eben nicht unterschiedlich ist.
Es ist wohl eher das Gegenteil der Fall. Die geistige Natur ist eben gleich, um nicht sogar zu sagen das Selbe.
Worin sich die Geschöpfe unterscheiden, ist doch eher die physische Ausprägung respektive Ausgestaltung.
Der Ursprung und die Quelle ist die selbe, nämlich das Gewachsene aus den Elementen, die wir auf diesem Planeten vorfinden. Wagt man sich nun einen Schritt weiter, und nimmt den Aspekt, dass Materie der oft zitierte ‚geronnene Geist‘ sei, so wird doch eindringlich deutlich, dass jedes Lebewesen aus dem gleichen ‚Stoff‘ ist. Und dieser ist eben der Geist.

Worin sich die Lebewesen also lediglich unterscheiden, ist die physische Ausprägung, Präsenz oder Manifestation, worin wiederum die Möglichkeiten zur Entscheidungsfindung und Handlung herzuleiten sind. Dies lässt jedoch keine Wertung zu.
Wie wir bei der Entwicklung des Menschen beobachten können, sind sehr viele, ich möchte bald behaupten, die meisten Entscheidungen und Handlungen nicht nur widersprüchlich, sondern gar destruktiv oder lebensfeindlich im Sinne der Entwicklung des Lebens auf der Erde. Insofern ist also die Frage legitim, inwiefern die in ihren Ausmaßen mutmaßlich erweiterte Entscheidungs- und Handlungsfreiheit überhaupt als positiv gewertet werden kann.
Es mag zwar interessant, und auf dem ersten Blick in einem positiven Lichte erscheinen, dass der Mensch diese mutmaßlich erweiterten Fähigkeiten besitzt. Letzten Endes jedoch, angesichts vieler Entwicklungen, wie etwa die Entwicklung von Massenvernichtungswaffen, des exponentiellen Bevölkerungswachstums, der Förderung des Egoismus, der Vergiftung, Zerstörung und Vernichtung der Lebensgrundlagen von Pflanze, Tier & Mensch, der Veränderung des Klimas usw. usf. scheint es zweifelhaft und ’schwierig‘ hinsichtlich einer positiven Bewertung oder Gewichtung.
So gesehen würde ich sogar so weit gehen zu behaupten, dass die ‚anderen Lebensformen‘ eben eher an der Quelle des Ursprungs sind, als wir in unserer künstlich geschaffenen Pseudo-Welt nun angekommen sind.

Eine Bewertung ist überdies extrem zweifelhaft, sofern man es auf theologischer Sicht betrachtet. Insofern hat nun ein mutmaßlich vorhandener Schöpfer alles geschaffen. Alles meint nun Mensch und Tier und selbstverständlich alle anderen Lebensformen.
Wie kann nun argumentativ eine Unterscheidung Einzug halten? Der Schöpfer liebt den Menschen mehr als das Tier? Das Tier hat gar keinen Geist ‚bekommen‘? Ist der Schöpfer zufrieden mit dem, wie wir mit den von ihm (‚in liebevoller Kleinarbeit‘) geschaffenen Lebewesen umgehen?
Das sind doch alles naive Geschichten und anthropozentrischen Herleitungen für schlichteste Gemüter, die ihre Existenz darauf aufbauen, andere ’niedere Lebensformen‘ zu beherrschen, zu unterjochen, zu töten oder auszunutzen und daraus einen Profit zu ziehen. Eben so, wie es seit Jahrtausenden und aktuell geschieht und worunter unsere nachfolgenden Generationen noch massiv zu leiden haben werden.

Nein, es ist ganz klar. Und jeder, der zumindest ein Haustier kennengelernt hat, es aufmerksam und intensiv beobachtet und interpretiert hat, reflektiert hat, es lieb gewonnen, behütet und geschützt hat. All jene wissen ganz genau, dass die geistige Natur eben gleich ist. Es gibt im Grunde keinen ausschlaggebenden Unterschied zwischen Mensch und Tier. Das mag weder dem Landwirt gefallen, noch dem Schlachter oder dem Fleisch genießenden Gourmet oder gar dem Jäger oder der Börse.
Wir stammen allesamt aus der Quelle. Alles Leben ist eins. Wir haben die gleichen Wurzeln. Wir sind zusammen auf diesem Planeten, sehr wahrscheinlich mit der gleichen Mission, sofern es so etwas überhaupt gibt.
Wer mag denn schon behaupten, dass es in einem Hund nicht ähnlich vorgeht, er sich aber, aufgrund seiner physischen Limitierungen, oder besser Ausgestaltungen, nicht anders verhalten und/oder ausdrücken kann? Das neuronale System repräsentiert doch lediglich die ‚Schaltkreise‘, die Ausschmückung und somit die Potentiale. Dumm, wenn man gerade ein Hund ist. Dann kann ich halt nur beißen, wenn Gefahr droht, und eben nicht gleich eine Atombombe konstruieren und bauen.
Und nehmen wir an, dass wir Menschen diese erweiterten Möglichkeiten besitzen, so obliegt in und an uns eine außergewöhnliche Verantwortung. Und diese besagt, dass wir das Leben auf diesem Planeten hegen, pflegen und schützen müssen. Das wäre das Mindeste, was von uns zu verlangen oder zu erwarten wäre. Noch konstruktiver wäre es sogar, wenn wir uns als lebender Organismus unter unzähligen anderen Organismen in Abhängigkeit zueinander verstehen würden, die dem gleichen Schicksal ausgesetzt sind. Wir müssen unter den Unbilden der abiotischen Faktoren und physikalischen Gesetzen und Entwicklungen zusammen bestehen, leben und idealerweise koexistieren. Da wäre Verständnis, Zusammenhalt, gegenseitige Hilfe und Unterstützung, ja, vielleicht sogar Liebe zu allem, was existiert, also zur Schöpfung, angemessen. Augenscheinlich kommen wir dem aber nicht nach. Und genau das ist der eigentliche Sündenfall für den es keine Buße geben wird.
Dabei ist sogar zu berücksichtigen, dass das Leben aus der Vielfalt resultiert. Ohne Vielfalt kein Leben. Es liegt nicht in unserer Hand, darüber zu befinden oder zu bestimmen, welches Lebewesen mehr wert ist als das andere.
Wahrlich existiert überhaupt keine Wertung oder Urteil, Unterscheidung oder Maßgebung. Es existiert nur in unseren (stark limitierten) Köpfen.


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