Was mir zur Regierungszeit von Helmut Kohl einfällt

Helmut Kohl ist heute gestorben.
Ich weiß. Man soll nicht schlecht über Verstorbene sprechen.
Daher halte ich hier lediglich fest, was mir zu der Zeit einfällt, wo diese Person regiert hat und wie diese Ereignisse sich seinerzeit für mich ganz persönlich dargestellt haben.

  1. Helmut Kohl ist nicht regulär durch Wahlen an die Macht gekommen. So stellte es sich für mich seinerzeit dar. Ich war 13 Jahre alt.
    Er hat nur durch einen Trick Helmut Schmidt, der ihm -meiner Meinung nach- in mannigfaltiger Art und Weise bei weitem überlegen war, absetzen können.
  2. Zur Zeit, als die CDU mit Helmut Kohl an die Macht kam, war unsere Familie vom Sozialamt abhängig, weil meine Eltern sich haben scheiden lassen. Meine Mutter sagte damals: „Wenn die CDU an die Macht kommt, werden uns mit Sicherheit Leistungen gestrichen.“ Tatsächlich, wenn ich mich recht erinnere, gab es Kürzungen im Sozialsystem.
  3. Nach dem Fall der Mauer kamen sehr viele Menschen nach Deutschland, die vorher hier nicht gelebt haben. Viele dieser Menschen haben sehr schnell Häuser bauen können. Es gibt sogar halbe Siedlungen, wo sich diese Menschen Häuser gebaut haben. Während gleichzeitig im Sozialsystem Kürzungen vorgenommen worden sind. Das habe ich nie wirklich verstanden, wie man mit dem eigenen Volk derart umgehen kann.
  4. Als ich das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachgemacht hatte und Bafög bezog, um über die Runden zu kommen, sah ich ein Interview im Fernsehen, wo Helmut Kohl von einer ‚Bringschuld‘ für Leute sprach, die Bafög bezogen. Anschließend fühlte ich mich schlecht und kam mir vor wie ein Sozial-Schmarotzer. Dabei hatte ich nur vor, mich weiter zu bilden und somit meine Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen. Dazu nahm ich Rechte wahr, die dazu vom Staat geschaffen worden sind. Kohl (oder seine Experten-Mitarbeiter) hatte wohl dieses Grundprinzip nicht verstanden, dass es aus Sicht des Staates sehr viel lukrativer ist, Menschen zu unterstützen, die später potentiell mehr verdienen und somit mehr Steuern zahlen können als dass man gar nichts wieder bekommt. Zudem zahlen diese Leute einen Teil der geliehenen Mittel sogar wieder zurück. Selbst lebte Kohl von seinen Verdiensten wohl auch nicht so schlecht. Gelder, die von Steuerzahlern stammten. Ich glaube nicht, dass ihm jemand deshalb mal ein schlechtes Gewissen eingeredet hat.
  5. Zur vierten Bundestagswahl, bei der Kohl kandidierte, hatte jemand in Ibbenbüren auf ein Wahlplakat der CDU mit Kohl drauf ein Graffiti hinterlassen: „Unser dicker König“. Das fand ich lustig. Es repräsentierte die subjektiv wahrgenommene Unendlichkeit seiner Regierungszeit. Es stand auch für das Gefühl in der Bevölkerung der Stagnation und des puren Machtinteresses dieser Person, die einfach nie genug von Macht und Einfluss haben konnte und immer wieder kandidierte und immer wieder kandidierte und immer wieder kandidierte und immer wieder….
  6. Ich erinnere mich daran, dass die Wirtschaft in den 80er Jahren nie wirklich in Bedrängnis war bzw. es wirtschaftlich sehr gut ging. Dennoch wurden jedes Jahr 40-50 Milliarden DM an Schulden aufgenommen. Dabei gab es doch das Prinzip nach Keynes: In guten Jahren spart man. Das ersparte Geld setzt der Staat wieder in schlechten Jahren ein, um Arbeitsplätze zu sichern und die Wirtschaft zu unterstützen. Das hatte Kohl oder deren Wirtschaftsexperten wohl auch nie wirklich verstanden. Da kommt über einen so langen Zeitraum einiges an Milliarden an Schulden zusammen, was unter anderem zum immensen Schuldenberg geführt hat, den wir heute noch abtragen müssen. Besten Dank auch.
  7. Nach der Parteispendenaffäre sah ich eine Diskussionsrunde, wo jemand zugegen war, der Mitglied der Kommission war, die diese Affäre untersuchen sollte. Dieser Mann war selbst Mitglied der CDU. Er äußerte sich empört und sprach von erschreckenden Verhältnissen innerhalb der CDU. Als Beauftragte PCs der CDU sicherstellen sollten, waren diese verschwunden oder zerstört und Belege vernichtet worden oder ähnliches, genau erinnere ich mich nicht mehr an die Einzelheiten dieses Zeugen. Das ist nur das, woran ich mich erinnere.

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