Die Welt des Menschen: Irrational denkende und handelnde Wesen leben in einer rationalen Welt.

Ein Artikel für alle, die auf der Suche sind nach Antworten auf die großen Fragen der Menschheit.

So viel kann ich schon zu Beginn verraten, finale Antworten auf die großen Fragen der Menschheit habe ich auch nicht. Doch, das ist nicht weiter schlimm, denn damit befinde ich mich in guter Gesellschaft.
Im Zuge meiner ca. 35 Jahre dauernden Studien und Recherchen, bin ich jedoch zu der ein oder anderen Erkenntnis gelangt, die vielleicht für den Leser interessant sind und zu weiteren Diskussionen und Überlegungen anregen dürften.
Und in gewisser Hinsicht wage ich zu behaupten, dass meine Erkenntnisse einer gewissen Wahrheit nicht entbehren.

Der Mensch als irrational handelndes und denkendes Wesen

Ich stelle in den Raum, dass folgende Eigenschaften des Menschen der Antrieb oder die Ursache für einen extrem hohen Prozentsatz seiner Entscheidungen und die daraus resultierenden Handlungen verantwortlich sind:

  1. Bequemlichkeit
  2. Gier
  3. Egoismus
  4. Macht
  5. Angst
  6. Liebe
  7. Definition des Selbst über andere in einem überhöhten Maß

Dies sind lediglich Oberbegriffe und sie lassen sich sicher noch sinnvoll und in Teilaspekte untergliedern.
Auffällig ist, dass bis auf Punkt 6. die übrigen Punkte Eigenschaften darstellen, die sich im Kontext der konstruktiven, friedlichen, harmonischen und gerechten (d.h. sozial ausgeglichenen) Co-Existenz der Menschen untereinander potentiell negativ auswirken (können/dürften).

Es ist nun keine Kunst, eine Vielzahl an Beispielen zu nennen, wo diese Eigenschaften in eklatanter Form zu völlig irrationalen Entscheidungen und Handlungen führen.
Ein prägnantes Beispiel dürfte wohl die Börse sein. An der Börse treffen nämlich Rationalismus und Irrationalismus direkt aufeinander. Auf der einen Seite Zahlen, Daten, Fakten (Produktions- und Herstellungszahlen, Angebot, Nachfrage usw.), auf der anderen Seite eine Vielzahl an psychologischen Aspekten, allen voran die Gier und die Angst (siehe oben), aus denen letztlich die Börse selbst und die jeweiligen Kurse resultieren.

Rationale Welt

Ein Blick in die Wissenschaft reicht, um in Erfahrung zu bringen, dass unsere Welt nach strengen Gesetzen funktioniert (Naturgesetze). Vieles lässt sich mathematisch berechnen, es gibt Konstanten, Ausdrücke, und was die Wissenschaft als Fakt definiert, lässt sich jederzeit reproduzieren.
Auch wenn man konstatieren muss, dass die Wissenschaft noch längst nicht alles herleiten kann, es handelt sich dabei womöglich nur um einen kleinen Prozentsatz von allem, was sich uns darstellt.
Aber das, was man einwandfrei nachweisen und herleiten kann, ist eindeutig rational, was ein Wesenszug der Resultate der Wissenschaft als solches ist.
Und wer nicht so recht an die Rationalität glauben oder sich dies nicht vorstellen mag, der nehme das Beispiel Kausalität und probiere das ganz simpel im Alltag aus oder beobachte es. Sie werden feststellen, dass es für alles eine Ursache gibt. Nehmen Sie irgendein Beispiel aus ihrem Alltag. Nichts ist auf Mal verschwunden oder durch unerklärliche, mysteriöse Umstände derart entstanden. Oder noch ein simpleres Beispiel: Ordnung in Ihrer Wohnung. Je aufwendiger die Planung, die Strategie und vorallem dadurch die Effektivität der daraus resultierenden Maßnahmen ist, desto ‚ordentlicher‘ wird die Wohnung sein. Also, es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung. Unsere Welt ‚funktioniert‘ rein rational und nach dem Prinzip der Kausalität. Je rationaler Sie vorgehen und die richtigen Ursachen erkennen, desto mehr Ordnung wird entstehen.

Fragen

Nun stellt sich die Frage, wie der Mensch mit seinem Irrationalismus, bzw. seinen vorherrschenden o.g. Wesenszügen, in diese mutmaßlich ‚rational funktionierende Welt‘ passt bzw. sich harmonisch darin einfügen lässt?

Eine weitere, interessante Frage ist, wie sich aus einem System, das anscheinend und annähernd nach mechanistischen Prinzipien und nach der reinen Logik zu funktionieren scheint, eine Lebensform entwickeln konnte, welche tendenziell eher irrational denkt, handelt und entscheidet?
Ist aus diesem quasi mechanistisch zu verstehenden System (Natur) etwas völlig neues und konträres entstanden? Wie ist das möglich?

Oder ist es eher so, dass die Natur als solches in seinen Grundfesten eben nicht rein rational, mechanistisch und nach der puren Logik zu verstehen ist und wir Menschen dies nur derart verstehen und als idealisiertes System ‚überstülpen‘?
Wie realistisch mag es sein, dass die Natur nach der Mathematik funktioniert, die wir gewissermaßen per Reverse Engineering im Nachhinein aufgedeckt, definiert und sogar verstanden haben?

Oder liegt die ‚Wahrheit‘ irgendwo zwischen diesen Vorstellungen, d.h. gibt es keinen reinen Rationalismus und Irrationalismus, kein Schwarz und Weiß, sondern eher sehr viel Grau?

Ist die Wissenschaft demnach als Lebensmaxime (manche sprechen derweil sogar davon, dass die Wissenschaft Religionen ablösen wird) oder philosophische Struktur überhaupt für uns Menschen geeignet? Und was geschähe dann mit Moral und Ethik?

Ist die menschlichen Gesellschaft vorstellbar, in der sich Paare einzig nach körperlicher Attraktivität zusammen finden und vorallem langfristig zusammen (be)stehen, unabhängig von der Liebe und irrationalen Beweggründen?


  3 comments for “Die Welt des Menschen: Irrational denkende und handelnde Wesen leben in einer rationalen Welt.

  1. Philzer
    17. März 2021 at 20:18

    Die Welt ist irrational, siehe Pi; den goldenen Schnitt, die vier Grundkräfte u.v.m.
    Rationalität und Kausalität sind nur Phänomenologien im mittleren Komplexitätsfeld der Materie, bspw. Mesokosmos.
    Also ist auch Leben nichts anderes als eine irrationale Strebung der Energie.

    Der Mensch, zwar zu rationaler Erkenntnis, aber im Langzeit/Gesamturteil betrachtet – nicht zu rationalem Verhalten fähig, sondern nur zu instrumenteller Vernunft (Horkheimer), kann seine Irrationalität deshalb nicht überwinden.
    Wie im Artikel ob richtig erwähnt, findet man die Irrationalität des Menschen im ‚Chef‘ * seiner Psyche, dem Freudschen ‚Es‘. (bei Damasio das Kernbewusstsein),( * siehe Freud Instanzenmodell)

    Die Erlebniskognition/Bewusstseinsstufe dieser ursprünglichen Hirnstruktur wird ganzheitlich Qualia genannt.
    Qualia ist nicht quantifizierbar, ist irrational, und alle vom ‚Es‘ generierten Verhaltensweisen sind es also auch. (irrationale Strebungen -> Limes gegen unendlich)

    Aus der für eine interstellare Karriere zu kurzen Lebenszeit irrationaler Lebensformen (bis zur Selbstauslöschung) ergibt sich auch die kürzeste Antwort auf das Fermi-Paradoxon.

    mvg Philzer

    • semper
      19. März 2021 at 2:17

      Hallo Philzer,
      eine sehr interessante Sichtweise.
      Nehmen wir an, dass Rationalität und Kausalität Phänomenologien im mittleren Komplexitätsfeld der Materie sind, wie du es beschrieben hast, so könnte man postulieren, dass ‚in allen anderen Bereichen‘ die Irrationalität zumindest vorherrscht, wenn nicht sogar fundamental oder ausschlaggebend ist. Also, ist Irrationalität vorherrschend im ‚unteren‘ oder ‚oberen‘ Komplexitätsfeld der Materie, was noch definiert/formuliert werden müsste, was darunter genau zu verstehen sein müsste.
      Das ist plausibel, aber demnach auch im Grunde das Chrakteristikum des Lebens als solches, zumindest der uns bekannten Lebensformen, denn eine Lebensform, die ausschließlich(!) aus rationalen Beweggründen entscheiden und handeln würde (es müsste auch ein rein rationales Denken vorausgesetzt werden, denn ansonsten wäre die rationale Erscheinung nach außen hin eben nur Schein) wäre wohl einem Automaten gleich zu setzen. Wobei an dieser Stelle ‚Automat‘ sogar derart definiert sein müsste, dass es nicht mit den uns bekannten Robotern oder Androiden gleich zu setzen wäre. Denn die Schöpfer dieser Roboter oder Androiden wären ja wir Menschen, die wiederum ‚irrational getrieben‘ per definition nicht in der Lage wären, etwas zu erschaffen, was frei jeglicher Irrationalität wäre.
      Diese ‚Automaten‘ müssten also von irgendwas anderem erschaffen worden sein. Sagen wir, die Natur hätte solch eine ‚Erscheinungsform‘ geschaffen bzw. hervor gebracht.
      Derartige spekulative Automaten müssten demnach natürlich völlig frei von Emotionen sein, denn jede Emotionalität führt (oder birgt das Potential) zu irrationalem Verhalten. Dann stellt sich mir gleich die Frage nach der Motivation. Woraus würde eine solche spekulative Lebensform in Form eines ‚Automaten‘ ihre Motivation nehmen, ohne jegliche Emotion oder Irrationalität? Worauf könnte ihr Streben, sofern das dann überhaupt vorhanden sein könnte, beruhen?
      Was ich damit eigentlich zum Ausdruck bringen will, ist, dass unsere Eigenschaft des irrationalen Denkens, Entscheidens und Handelns eben eine Grundeigenschaft des Lebens, wie wir es wahrnehmen und verstehen, als solches zu sein scheint. Denn, um nicht nur bei uns Menschen zu bleiben, es fallen mir zum Aspekt Irrationalität natürlich auch diverse Beispiele aus der Tierwelt ein.
      Fassen wir das zusammen und leiten wir das auf das Leben in unserem Universums insgesamt ab. So erscheint die Annahme legitim, dass jegliche Lebensformen, die in ähnlicher Form, also auf natürliche Weise, aus der Materie in einer Form des evolutionären Prozesses hervor gegangen sind, durch irrationales Denken, Entscheiden und Handeln ‚angetrieben‘ sein müssten.
      Aber ist dies gleichzusetzen damit, dass sich eine Spezies stets selbst auslöscht? Ich denke nicht.
      Wie ich oben ausgeführt habe, ist ein völlig ‚rational angetriebener Automat‘ unserem Verständnis nach unmöglich. Oder sagen wir, sehr unwahrscheinlich. Oder sagen wir, für uns fast undenkbar.
      Dennoch ist es möglich, dass sich rationales Denken, Entscheiden und Handeln zumindest auf Einzelaspekte konzentriert und sich auch in großem Umfang durchsetzt.
      Demnach wäre unsere Herausforderung, die rationale Entscheidung zu treffen, das Ziel zu setzen, unser Überleben, und somit das Überleben zahlloser anderer Lebensformen, von denen wir abhängig sind, zu sichern.
      Und daraus müssten sich entsprechende Handlungen ergeben. Es ist also zumindest im Bereich der Möglichkeit, des Potentials, den Fortbestand unserer Spezies zu sichern, so dass es nicht zur Selbstauslöschung kommt.
      In gleicher Art und Weise wäre dies auch für andere Technik entwickelnde Lebensformen im Universum möglich, zumindest jedoch denkbar.
      Insofern ist das Fermi-Paradoxon auch kein Paradoxon, sondern es folgt einer Denkweise, die auf prägnante Weise anthropozentrisch geprägt ist. Es bezieht sich auf unsere massive Ausbreitung und Expansion, die überwiegend auf die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen beruht, welche, wie wir festgestellt haben, mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Auslöschung unserer Spezies führen wird, sofern wir kein ‚Gegenmittel‘ finden, wozu es, meiner Auffassung nach, bereits sehr spät, wenn nicht schon längst zu spät, ist.
      Es könnte also durchaus intelligente Lebensformen im Universum geben, die zumindest in gewisser Hinsicht, nämlich zur Erlangung des Fortbestandes der eigenen Art oder Gattung, durch rationales Handeln zumindest in diesem Teilaspekt vielleicht sogar in der Lage waren, die technische Entwicklung so weit voran zu treiben, dass sie zur interstellaren Raumfahrt in der Lage wären.
      Angesichts der nahezu unvorstellbaren Größe des Universums, bin ich sogar davon überzeugt, das so etwas ‚vorgekommen‘ ist, also auch längerfristig.
      Demnach würde ich schätzen, dass es wohl die immensen Dimensionen und Entfernungen sind, die dazu geführt haben, dass diese Lebensformen halt hier noch nicht ‚angekommen sind‘.
      Dazu kommt noch der Aspekt, dass, wie ich oben dargestellt habe, diese Lebensformen ihre Existenzmaxime eben eher nicht auf massive Expansion, Ausbeutung der Lebensgrundlagen und ungehemmte ‚Vervielfältigung der Individuen‘ über das ‚gesunde Maß‘ hinaus ausgerichtet haben dürften, was wiederum bedeutet, dass ihre Motivation zur interstellaren Raumfahrt dann eben auf andere Interessen und Aspekte ausgerichtet sein dürften (wenn überhaupt), z.B. Forschung und Entwicklung. Daraus wiederum könnte ein, im Vergleich, eher reduzierter Drang oder Notwendigkeit zur interstellaren Raumfahrt resultieren, was wiederum dazu führt, dass eben solche ‚Aliens‘ hier einfach noch nicht angekommen sind.
      Zusammenfassung zum Fermi-Paradoxon: In der bekannten Version behaupte ich, dass es kein Paradoxon ist. Es handelt sich wohl eher um eine extrem undurchdachte und unreflektierte Äußerung. Daher wundert es mich, dass ein Nobel-Preisträger wie Fermi, ein solches, angebliches ‚Paradoxon‘ aufgestellt hat, welches auf so leichte Weise erklärt bzw. aufgeklärt werden kann.

  2. Philzer
    19. März 2021 at 12:21

    Hallo semper,

    Wo trennt man den Mesokosmos ab. Keine Ahnung. Den Verlust der Kausalität (die ja mit Rationalität einhergeht) nach unten hatte ja schon Popper beschrieben (Halbwertzeit, also nur noch ’statistische Kausalität‘) und hat dafür den Begriff Propensität vorgeschlagen.
    Wie ich grad im Netz lese soll wohl Peirce auch schon daran gearbeitet haben. Weitere Ideen dazu habe ich im Moment nicht.

    Die Abtrennung nach oben ist m.E. einfach.
    Der Gödelsche Unvollständigkeitssatz und damit die Widerlegung des Laplaceschen Dämons.
    Weiterhin könnte man über die Relativitätstheorie von ‚autarken Inertialsystemen‘ sprechen?

    Denken ist m.E.n. ausschließlich rational, nur fühlen nicht.
    Beides zusammen, plus eine feste Hierarchie, also die Realität dieses Dualismus in unserer Spezies, ergibt dann Freuds Instanzenmodell bzw. Horkheimers ‚instrumentelle Vernunft‘.
    Auch Popper hat das irgendwo mal tangiert, ich glaube er hätte Horkheimers Ausdruck wohl ‚Vernunft als Handlungsstrang‘ genannt, wobei eben die Ziele dieses Handlungsstranges keineswegs vernünftig sein müssen.
    (siehe immer größere Offroadermonster im Konkurrenzampf von Hersteller wie auch Konsumsklave (beide interessengeeint über ihre Irrationalität), die zur Weltzerstörung/ Lebensraumübernutzung führen … )

    Ja, von der Größe des Universums, 100 Milliarden Sterne pro Galaxie, und dann nochmal 100 Milliarden Galaxien.
    Ich denke Leben wird gar nichts soooo außergewöhnliches sein, wie es ja auch nichts soooo perfektes ist. 🙂
    Es ist lediglich die am höchsten komplexe Materieform (bis hin zu Bewusstsein) die wir kennen, und das lässt die Seele unserer Hybris aufblühen. o.s.ä. 🙂

    Irrationale Lebensformen, wie die unsere, können ihr permanentes Kampfdasein nur in einem für sie perfekten Mesokosmos aufrechterhalten, denn nur dort ist es für sie möglich Leben quasi immer gleichzeitig zu töten und zu generieren.
    Bis sie selbigen in der Irrationalität ihres Kampfdaseins zernutzt haben.
    Ich finde es immer lustig, wenn diese Gestalten davon reden und träumen sie könnten den Mars besiedeln, ihn zu einer Erde machen.
    Die Realität ist doch gerade das Gegenteil, in irrationalem Wildwachsum, sich gegenseitig potenzierender Zernutzung von Bevölkerungs und Konsumexplosion, machen wir gerade aus der Erde einen Mars II.

    Diese Spezies kann ihre Irrationalität nicht überwinden.

    Deshalb also meine Konklusion:
    Ja es wird vmtl. Leben irgendwo da draußen geben, vielleicht sogar Millionen mal, aber:
    Leben als irrationale Strebung der Energie ist nie in der Lage, ab dem Moment wo es zu rationaler Erkenntnis gelangt, und selbige ab sofort dann nahezu ausschließlich im Dienste ihrer Irrationalität steht und diese in extremster Weise anheizt, von einem irrationalem Wildwachstum zu einer vernünftigen Selbstbeschränkung zu gelangen. (Ivan Illich: Selbstbegrenzung )

    Ich habe im Philosopie-Raum unter philosophische Projekte: unter Dialektischer Physikalismus, einen Thread zum Fermi-Paradoxon, also wenn Du magst.
    Kannst dort gern Deine Thesen dazu – so breit und tief wie irgend möglich – darlegen.

    (leider muss man sich da anmelden)

    PS: Schopenhauer ist wohl auch davon ausgegangen, dass die Welt nicht auf Rationalem aufbaut …

    mvg Philzer

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