Zitate: Dr. Joseph Hyrtl

Hätte der Embryo im Mutterleibe Selbstbewußtsein und wüsste im Voraus, was beim Vorgang der Geburt mit ihm geschehen würde, müsste er diesen Vorgang zweifellos für seine absolute Vernichtung halten: Die ihn umschließenden Hüllen zerreißen, das Fruchtwasser, sein Lebenselement fließt fort; Die Nabelschnur, die ihn ernährt, wird zertrennt und überdies hat er, aller Lebensmöglichkeit beraubt, den erstickenden Sturz durch würgende Enge zu tun.
Ja, stünde der Embryo auf dem ‚Boden der Tatsachen‘, kein Zweifel, ein ‚Überleben der Geburt‘ müsste für ihn indiskutabel sein. Aber er weiß nicht, dass in ihm andere Organe für ein Leben in einer anderen Welt bereits vorsorglich angelegt sind: Lungen, um Luft zu atmen, Augen, um den Kosmos der Farben und Formen zu schauen; Mehr noch: Diese anscheinend hoffnungslose Vernichtung, der Geburtsakt, ist in Wahrheit der Weg in ein neues Leben. Insofern haben wir kein Recht, den Tod, der uns ebenfalls alles Leben zu rauben scheint, aus der lediglich irdisch-biologischen Perspektive zu beurteilen.


Dr. Joseph Hyrtl (*1810 +1894), Anatom

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