Phänomen Traum: Mein erster und bisher einziger luzider Traum

Mit der Reihe ‚Das Phänomen Traum‘ möchte ich vehement der materialistisch orientierten Auffassung der Hirnforschung entgegentreten, die davon ausgeht, dass Träume im Grunde eine Art Neben- oder Abfallprodukt der Prozesse sind, die während des Schlafes potentiell im Gehirn stattfinden. Es sind nur Indizien, die ich liefern kann. Jedoch weisen diese in eine Richtung, die darauf hindeuten könnte, dass Träume viel mehr sind, als irgendwelche wert- und sinnlosen Geschichten, die sich das Hirn zusammen reimt.

Wie oft hatte ich bereits davon gehört, dass es diese luziden Träume geben soll. Da ich mir verhältnismäßig oft Träume merken kann, bzw. diese mir in Erinnerung kommen, hatte ich mich bereits seit Jahrzehnten gewundert, dass, wenn ich diesbezüglich doch anscheinend recht sensitiv bin, dass ich selbst noch nie einen luziden Traum hatte oder diesen gewissermaßen hervorrufen konnte.
Es ist mittlerweile einige Monate her, da konnte ich einen solchen Traum erfahren. Bei luziden Träumen soll es so sein, dass sich der Träumende während des Traumes bewußt ist, dass er/sie gerade träumt. Dies erlebte ich während es folgenden Traumes, der sich zwei Abschnitte und Szenen gliedert.

Die erste Szene, an die ich mich während dessen, was ich in dieser Nacht erlebte bzw. träumte, erinnere, war, dass ich mich im Treppenhaus eines Mehrfamilienhauses befand, welches sich gerade im Bau befand. Es standen die Grundmauern und alles wirkte also wie ein Rohbau und/oder wie eine Baustelle. Draußen war es Nacht und die Beleuchtung eher dunkel, aber man konnte im Treppenhaus noch einigermaßen sehen. Ich stieg die Treppen im Treppenhaus hinauf bis in die oberste Etage. Dort angekommen ging ich in einen Raum bei dem aber der Boden fehlte bzw. noch nicht fertig war. Es standen dort nur die Grundmauern. Die Bauarbeiter hatten deshalb von einer Raumecke zur anderen eine Holzbohle verlegt, über die man von einer Ecke des Raumes zu anderen gelangen konnte. Ich wollte also über diese Bohle gehen, was diese an sich eher dunkle und damit unheimliche Atmosphäre natürlich nicht gerade angenehmer machte. Als ich so auf der Bohle unterwegs war, sie war geschätzt ca. 6-8m lang, und mir nun Gedanken durch den Kopf gingen, was wohl passieren würden, wenn ich hier herunter fiel, kam mir auf halben Weg eine dunkle Gestalt entgegen, wie eine Art unheimliches Schattenwesen. Es war sofort klar, dass diese Gestalt mir nicht gerade wohlgesonnen war, sondern etwas mit mir vor hatte. In dieser Situation natürlich, mich z.B. von der Bohle stoßen, so dass ich runter stürzte. Dann stand die Gestalt direkt vor mir und packte mich am rechten Arm, was sich total real anfühlte. Man kennt diese Art Träume, dass man auch körperlich das Gefühl empfindet, wie man es in der unserer realen 3D-Welt eben auch fühlen würde. Nun bekam ich natürlich große Angst. Diese Gestalt wollte mich offensichtlich packen und runter reißen. In diesem Moment hatte ich plötzlich die Eingebung, dass diese Gestalt und alles in dieser Situation nur ein Traum ist und ich derjenige bin, der diesen Traum träumt. Demnach würde ich auch bestimmen, was in diesem Traum geschieht! Deshalb wollte ich mir diesen Angriff dieser Schattengestalt auch nicht bieten lassen und erklärte diesen für nichtig bzw. für aufgehoben. Die Kraft und die Auswirkung dessen, wie diese Gestalt mich am Arm gepackt hatte, hatte somit keine Wirkung mehr, da ich sie aufhob. Ich schubste diese Schattengestalt einfach die Bohle runter und ging weiter.
Das war nun das erste Mal, dass ich überhaupt in meinem fünfzig jährigen Leben einen derartigen Traum hatte (oder mich daran erinnern konnte), dass ich selbst bestimmte, was bzw. wie etwas geschieht! Ich war völlig überrascht. Ich war mir bewußt, dass ich träumte. Es war kaum zu glauben aber auch erhebend.

Nun stand ich ja noch weiter auf der Bohle. Am Ende der Bohle, also an der anderen Zimmerecke, stand eine weitere Schattengestalt, die im Grunde darauf wartete, dass ich der Bohle bis dahin folgte, um dann auf mich los zu stürzen und mich fertig zu machen.
Nun war ich mir aber des Traumes bewußt und somit gestärkt durch diese Erkenntnis, wollte ich mich nun auch dieser zweiten Gestalt ‚entledigen‘, wenn man so will. Ich starrte die Gestalt an und befahl ihr, ‚dass sie ihr Herz heraus reißen und aufessen solle‘. Etwas skurril und bizarr, aber genau das war, was ich wollte, was mit dieser Gestalt geschehen solle.
Ich war wohl etwas überheblich ob der Erkenntnis, dass ich nun der Regisseur und der Schöpfer meines eigenen Films war. Doch das verrückte war, dass diese Gestalt genau das machte, was natürlich eher in den Bereich des Horrorfilms ging. Aber ich konnte sehen, wie die Gestalt tatsächlich sich in die Brust griff, etwas, das aussah, wie das schlagende Herz, heraus riss und es in den eigenen Mund steckte. Schon abgefahren, aber auch ziemlich bizarr und ekelig.
Nun, da ich diese unheimliche und böse Kreatur los geworden war, ging ich weiter bis auf das Dach, welches ein Flachdach war.
Plötzlich bemerkte ich, dass sich etwas von hinten näherte. Es handelte sich um einen Schwarm unheimlicher, fliegender Geschöpfe, vielleicht vergleichbar mit Fledermäusen oder kleine Vampire. Sie wollten mich von hinten angreifen. Weiterhin nach vorne blickend, streckte ich einen Arm nach hinten aus und verwandelte diese Geschöpfe Kraft meines Willens in einen Schwarm harmlose und friedliche, weiße Tauben! Völlig abgefahren. Ich drehte mich um, um mir diesen wunderschönen Schwarm weißer Tauben anzusehen, woraufhin ich plötzlich bemerkte, dass sich nun von der anderen Seite der gleiche unheimliche Schwarm schwarzer kleiner Vampire näherte, wie zuvor von hinten. Auch diese verwandelte ich sogleich in einen Schwarm friedlicher, kleiner und weißer Tauben. Gleichzeitig wechselte die Tageszeit von Nacht zu Tag und es war hell.

Nun ist es schon sehr kurios, sich einerseits in einer Art Film zu befinden, der gewissermaßen ein Eigenleben führte und aus irgendwelchen Gründen es ständig provozierte, mich zu ängstigen und irgendwie mir ständig Szenen darbot, mich zu erschrecken, mir irgendwas zu wollen oder anzutun. Das kennt man ja von unzähligen Träumen, dass man immer das Gefühl hat, man ist nur passiver Mitspieler, der der Situation immer nur irgendwie ausgeliefert ist. Andererseits konnte ich nun aber diese böse Grundstimmung des Traumes anscheinend bewußt umwandeln und beeinflussen in etwas erfreuliches und positives. Dieser Zwiespalt oder dieses Zerwürfnis wurde mir im Traum bewußt, nachdem ich den zweiten Schwarm in Tauben verwandelt hatte. Deshalb rief ich ‚in den Traum hinaus‘ (in etwa): „Was wollt ihr eigentlich von mir? Ich tue das hier alles für euch!“

Somit endete der erste Abschnitt meines luziden Traumes. Wenn es denn einer war. Und der zweite Abschnitt folgte.
Szenenwechsel. Ich befand mich in der Wohnung meiner Eltern und meine Mutter suchte ihr Auto, welches sie irgendwo in der Gegend stehen gelassen und vergessen hatte. Sie war wohl einkaufen unweit von hier, nicht weit weg. Ich war mir weiterhin bewußt, dass ich ja nun die volle Kontrolle über das Traumgeschehen hatte und sagte ihr, dass ich ich eben losgehe und ihr Auto finden werde. Ich ging also hinaus, oder besser flog hinaus, denn weshalb sollte ich zu Fuß gehen, wenn ich doch machen konnte, was ich wollte? Ich flog also umher, ist ja viel angenehmer und praktischer, und suchte nach dem Auto meiner Mutter. Ab hier hatte ich das Gefühl, dass alles, was nun kommen würde, wie eine Art ‚Sandbox‘ oder ‚Spielwiese‘ sein würde. Ein Experimentierfeld für meine ’neue Kraft‘ mit der ich tun konnte, was ich wollte.
Ich flog also so um das Haus meiner Eltern, bog um die Ecke ab und kam an einen Baum vorbei auf dem ein Auto lag. Seltsam, aber so war es, dass ein Auto, welches nicht das Auto meiner Mutter war, auf der Baumkrone des Baumes lag. Mir wurde bewußt, da ich ja der Träumer und somit Gestalter des Traumes war, wohl ‚irgendwas falsch gemacht hatte‘. Das wollte ich korrigieren, indem ich das Auto wieder auf den Boden unterhalb des Baumes ‚zurück befördern‘ wollte, was ich gleich in Angriff nahm. Plötzlich standen unter dem Baum aber jede Menge gleichartige, aber andere Autos. Mir wurde bewußt, dass ich den ‚Befehl‘ oder den Gedanken oder die Vorstellung dessen, was ich eigentlich vorhatte, anscheinend nicht im Griff hatte oder falsch gemacht hatte. Das kam mir so in etwa vor, wie ein Zauberlehrling, der seine Zaubersprüche nicht so recht im Griff hat. Anstatt das Auto nach unten zu befördern, hatte ich jede Menge anderer Autos geschaffen, die nun dort standen. Das war mir eher unangenehm, doch bereinigen konnte ich dieses Ergebnis irgendwie nicht so recht. Ich erinnere mich eigentlich nicht mehr, wie dieser Abschnitt des Traumes endete.

Was in mir blieb, ist die Erkenntnis, dass ich in meinen Träumen nicht immer nur ein passives Etwas sein muss, das das hinnehmen muss, was da kommt, sondern dass ich selbst der Regisseur sein kann und das, was in meinen Träumen geschieht, beeinflussen kann. Es war eine erstaunliche Erfahrung. Aber wer weiß. Vielleicht war das Gefühl, die Kontrolle und das Bewußtsein zu besitzen, den Traum selbst gestalten und beeinflussen zu können nur ein Traum innerhalb eines Traumes?


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